
Der Wochenausblick auf KW 11. Der Druck auf die Energiepreise durch den Iran-Krieg wird weiter für Volatilität sorgen. Datenseitig stehen die Inflationsdaten in den USA und China sowie die „harten“ Daten zur Industrie in Deutschland im Fokus. Politisch bleiben der Volkskongress in China sowie die erratische US-Politik zentral. Auf Unternehmensseite stehen u.a. die Q4-Ergebnisse von BioNTech, Volkswagen und Rheinmetall auf der Agenda. Und vor 96 Jahren starb der Urheber der Idee des Negativzinses.
In China wird der Nationale Volkskongress fortgesetzt (bis Donnerstag).
In Deutschland finden Kommunalwahlen und die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt.
In Kolumbien finden Parlamentswahlen statt.
In der Schweiz finden die vierteljährlichen Volksabstimmungen statt, u.a. soll Bargeld als Zahlungsmittel in der Verfassung verankert werden.
In den USA empfängt Präsident Trump die Staats- und Regierungschefs lateinamerikanischer Länder zu Gesprächen u.a. über die Handelsbeziehungen und die USA und Kanada stellen die Uhren auf Sommerzeit.
Die FED geht in die Schweigeperiode vor der nächsten Zinsentscheidung am 18. März.
In China hat die Inflationsrate im Februar wohl spürbar zugelegt (Januar: +0,2%). Neben Sondereffekten durch das Neujahresfest dürften auch höhere Energiepreise die Verbraucherpreise angeschoben haben. Auch die Deflation der Produzentenpreise dürfte sich weiter abgebaut haben (Januar: -1,4%).
In Deutschland dürften die Auftragseingänge in der Industrie im Januar deutlich nach unten korrigiert haben. In den beiden Vormonaten haben staatliche Bestellungen im Verteidigungssektor im Rahmen der Fiskalprogramme die Daten stark nach oben verzerrt (Januar: +7,8%). Entscheidend ist, ob die Kerngröße der Aufträge (ohne Großaufträge) ihren jüngsten Aufwärtstrend fortgesetzt hat. Die Verbesserung der Stimmung in der Industrie lässt das erwarten. Die Veröffentlichung war ursprünglich für Freitag der Vorwoche geplant. Die Industrieproduktion sollte nach dem Rücksetzer im Vormonat wieder etwas zugelegt haben (Dezember: 1,0%). Die Aufwärtstendenz der Aufträge zeigt sich hier aber wohl weiter nicht überzeugend. Die Exporte könnten dagegen wieder etwas gesunken sein (Dezember: +4%). Der Außenhandel wurde zu Jahresbeginn wohl weiterhin durch eine schwächere Nachfrage aus China und die US-Importzölle gebremst (Veröffentlichung am Dienstag).
Im Rahmen der Manöver „Freedom Shield“ (mit Südkorea) und „Cold Response“ (mit 13 Nato-Partnern) demonstriert das US-Militär seine Einsatzbereitschaft in Asien und Europa.
In der Q4-Berichtssaison berichtet u.a.: Constellation Software.
In China dürften die Februardaten (inkl. Januar) zum Außenhandel positiv ausfallen. Die Exporte dürften sich vor der Senkung der US-Zölle robust entwickelt haben, v.a. da die schwächeren Absatzzahlen in den USA durch eine stärkere Nachfrage aus Europa und Asien ausgeglichen worden sind (Dezember: 6,6%). Auch das Wachstum der Importe könnte zugelegt haben (Dezember: 5,7%). Hier wirkt ein Basiseffekt aus dem Vorjahr stützend.
Die EU-Finanzminister sprechen in Brüssel über die Ausrichtung der Fiskalpolitik.
Von der EZB sprechen Simkus und Muller.
In der Q4-Berichtssaison berichten u.a.: BioNTech, Saudi Aramco und Volkswagen.
In den USA dürfte sich die Inflationsrate (CPI) im Februar kaum verändert haben. Im Januar hatte die Teuerung überraschend deutlich auf 2,4% nachgegeben, und auch die Kerninflationsrate lag mit 2,5% spürbar niedriger als zuvor. Zum Vormonat lag der Preisanstieg in beiden Kategorien wohl bei 0,3%. Die CPI-Daten unterzeichnen derzeit allerdings die tatsächliche Teuerung etwas, da einige Dienstleistungen mit aktuell hohen Preissteigerungen nicht erfasst sind. Die FED wird die Daten deshalb mit Vorsicht interpretieren.
Von der EZB sprechen Schnabel und de Guindos.
In der Q4-Berichtssaison berichtet u.a.: Rheinmetall.
Von der EZB spricht Villeroy de Galhau. Im Anschluss beginnt die Schweigeperiode vor der nächsten Zinsentscheidung am 19. März.
Zinsentscheidungen stehen für die Notenbanken in Peru (aktuell: 4,25%, Erwartung: unverändert) und der Türkei (aktuell: 37%, Erwartung: unverändert) auf der Agenda.
In der Q4-Berichtssaison berichten u.a.: BMW und RWE.
In den USA dürfte die PCE-Kerninflationsrate im Januar erneut bei etwa 3% und damit deutlich über dem Wert der CPI-Inflation gelegen haben. Auch zum Vormonat haben die Preise wohl deutlicher zugelegt. Die PCE-Preisdaten sprechen damit weiter klar gegen einen aggressiven Zinssenkungskurs der FED.
Die Märzdaten zum Michigan-Verbrauchervertrauen werden zeigen, inwiefern der Angriff auf den Iran und der Anstieg der Öl- und Benzinpreise die ohnehin angeschlagene Stimmung der US-Konsumenten kurzfristig zusätzlich belastet (Februar: 56,6 Punkte). Der Blick richtet sich dabei auch auf die Inflationserwartungen.
Am 11. März 1930 starb Silvio Gesell, der deutsch-argentinische Kaufmann und autodidaktische Finanztheoretiker, der als Prophet des "rostenden Geldes" in die Geschichte einging. Gesell, der in Buenos Aires ein Geschäft für Chirurgen- und Zahnarztbedarf betrieb, entwickelte während der argentinischen Wirtschaftskrise von 1890 seine radikale Idee: Geld sollte wie Kartoffeln verderben und durch einen eingebauten "Schwund" von etwa 5-12 Prozent pro Jahr niemanden mehr zum Horten verleiten – der Zins würde verschwinden, die Wirtschaft ständig in Bewegung bleiben. Im Juni 1932, zwei Jahre nach seinem Tod, setzte der Bürgermeister von Wörgl in Tirol, Michael Unterguggenberger, Gesells Schwundgeld-Theorie erstmals spektakulär in die Praxis um: Die Arbeitslosigkeit sank um ein Viertel, während sie im Rest Österreichs stieg, bis die Österreichische Nationalbank das Experiment 1933 verbot. Fast ein Jahrhundert später erleben Gesells Ideen eine Renaissance: Die Negativzinsen der EZB zwischen 2014 und 2022 waren nichts anderes als Schwundgeld durch die Hintertür, und die Debatte über digitales Zentralbankgeld (CBDC) lässt Notenbanker weltweit darüber nachdenken, wie man Geld programmierbar machen und Hortung technisch unterbinden könnte – Gesells Vision, nur mit anderen Mitteln.