
Der Wochenausblick auf KW 12. Die Woche der Notenbanken. Vor dem Hintergrund des starken Anstiegs der Energiepreise entscheiden die großen Notenbanken über die Reaktion der Geldpolitik. Datenseitig stehen die Konsum- und Produktionsdaten für Februar aus China im Fokus. Auf Unternehmensseite berichten u.a. noch AIA, Alibaba und Tencent ihre Q4-Ergebnisse. Und vor 126 Jahren führten die USA den Goldstandard ein, der das globale Wirtschaftssystem für viele Jahrzehnte prägen sollte.
In Vietnam finden Parlamentswahlen statt.
Im Kongo wird die Präsidentschaft gewählt.
In Frankreich und in Hessen finden Kommunalwahlen statt.
In China werden die Daten für Januar und Februar zum Einzelhandelsumsatz und der Industrieproduktion veröffentlicht. Die Industrieproduktion lag wohl erneut etwa 6% über dem Vorjahr (Dezember: +5,9%). Dabei hat erneut vor allem die hohe Exportdynamik die Nachfrage gestützt. Die Dynamik der Binnenkonjunktur hat sich wohl noch nicht nennenswert beschleunigt. Die Umsätze im Einzelhandel dürften erneut nur um etwa 3% über dem Vorjahr gelegen haben (Dezember: +3,7%). Bremsend wirkt nach wie vor der Abbau der Förderprogramme zum Austausch von dauerhaften Konsumgütern. Stützend auf die nominalen Umsätze dürfte dagegen ein etwas höherer Preisauftrieb gewirkt haben.
In den USA dürfte die Industrieproduktion im Februar zum Vormonat weiter gestiegen sein (Januar: +0,7%).
Die Notenbank in Australien könnte auf ihrer Märzsitzung ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge anheben (aktuell: 3,85%). Dabei spielen weniger die kriegsbedingt gestiegenen Ölpreise als zuletzt starke Konjunkturdaten und ein hoher unterliegender Preisdruck die entscheidende Rolle. Die Notenbank in Indonesien wird wohl keine Zinsänderung beschließen, auch um den Abwärtsdruck auf die Währung weiter im Rahmen zu halten (aktuell: 4,75%).
In der Q4-Berichtssaison berichtet u.a.: Lululemon.
Die FED wird auf ihrer Sitzung am Mittwoch ihren Leitzins unverändert belassen (aktuelle Obergrenze: 3,75%). Der schwache Arbeitsmarktbericht hat zwar die geldpolitischen Tauben mobilisiert. Doch angesichts des Iran-Kriegs und der deutlich gestiegenen Energiepreise dürfte die Notenbank zunächst abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Sollte sich die Situation bald beruhigen und die längerfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben, dürfte die Fed unter ihrem designierten Chef Kevin Warsh ab Jahresmitte die Zinsen langsam senken. Verkompliziert wird die Prognose durch den steigenden Druck der US-Administration.
Zinsentscheidungen stehen auch in Kanada (unverändert, aktuell: 2,25%) und Brasilien (-50 Bp, aktuell: 15%) auf der Agenda
In der Q4-Berichtssaison berichtet u.a.: Tencent.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs sprechen auf einem EU-Gipfel u.a. über Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise und die Position in den Kriegen gegen den Iran und die Ukraine.
Die japanische Premierministerin Takaichi trifft US-Präsident Trump in Washington.
Mit dem Zuckerfest (Eid al-Fitr) endet der Ramadan.
Auch die Bank of Japan wird auf ihrer Sitzung ihren Leitzins unverändert belassen (aktuell: 0,75%). Die japanische Notenbank beobachtet die globalen Entwicklungen rund um den Iran-Krieg und die steigenden Energiepreise mit Sorge, da Japan stark von Energieimporten abhängig ist. Bisher ist der Anstieg der Benzinpreise aber deutlich geringer als in Europa und den USA. Mit Blick auf die kommenden Monate dürfte die BoJ deshalb an ihrer vorsichtigen geldpolitischen Normalisierung festhalten.
Auch die EZB wird auf ihrer Märzsitzung ihren Leitzins unverändert halten (aktuell: 2,00%). Zwar preisen die Terminmärkte bis zum Sommer bereits mehr als eine Zinserhöhung ein. Im Basisszenario eines eher kürzeren Iran-Kriegs legen die Inflationsprognosen und die Einschätzungen der EZB-Reaktionsfunktion aber keine Zinserhöhung nahe. Investoren werden EZB-Präsidentin Lagardes Einschätzung zu den Inflationsrisiken mit Argusaugen verfolgen, wobei ein eher falkenhafter Unterton gut möglich ist.
Auch die Bank of England wird auf ihrer Märzsitzung ihren Leitzins unverändert halten (aktuell: 3,75%). Auch die BoE steht vor dem Dilemma, dass die kriegsbedingt gestiegenen Energiepreise die Inflationsgefahren erhöhen, während gleichzeitig die Konjunktur schwächelt. Die relative Pfund-Outperformance der letzten Wochen würde wohl ins Wanken geraten, wenn die BoE den Wechsel in den Erwartungen von Zinssenkungen hin zu Zinserhöhungen wieder umkehrt.
Auch in der Schweiz (aktuell: 0%), Schweden (aktuell: 1,75%) und Tschechien (aktuell: 3,5%) werden die Notenbanken ihre Leitzinsen auf den Märzsitzungen unverändert halten.
In der Q4-Berichtssaison berichten u.a.: AIA und Alibaba.
Von der EZB ordnet Nagel die Zinsentscheidung des Vortags ein.
Am 14. März 1900 wurde in den USA der Gold Standard Act von Präsident William McKinley unterzeichnet und legte fest, dass der US-Dollar vollständig an Gold gebunden sein sollte. Damit endete die Debatte zwischen Gold- und Silberbefürwortern („bimetallism“) und die USA verankerten sich fest im internationalen Goldstandard, der bereits das globale Handelssystem prägte. Die feste Goldbindung stabilisierte den Dollar und erleichterte internationale Kapitalströme, weil Wechselkurse berechenbar wurden. Zugleich machte sie die Geldpolitik unflexibel, da die Geldmenge letztlich vom verfügbaren Goldbestand abhing. Der klassische Goldstandard prägte das Weltwährungssystem bis zum Ersten Weltkrieg 1914, während eine abgeschwächte Form über das Bretton-Woods-System noch bis 1971 nachwirkte. Eine bekannte Anekdote: Während der politischen Debatte warnte der demokratische Präsidentschaftskandidat William Jennings Bryan, die Bevölkerung dürfe nicht „auf ein Kreuz aus Gold genagelt werden“ – eine Formulierung, die zu den berühmtesten Reden der US-Wirtschaftsgeschichte wurde.