
Der Wochenausblick auf KW16. Die Zahl der Durchfahrten durch Hormus wird als Gradmesser für den Fortschritt der Friedensverhandlungen die Risikostimmung prägen. In Europa könnte die Wahl in Ungarn etwas Hoffnung auf Impulse bringen. Die Konjunkturdaten werden eine starke Dynamik des Q1-BIP in China, eine solide US-Industrieproduktion und einen schwachen Immobilienmarkt zeigen. Auf Unternehmensseite beginnt die Q1-Berichtssaison mit den Ergebnissen der großen US-Banken. Und vor 109 Jahren leitete Lenin mit seinen "Aprilthesen" die Oktoberrevolution ein.
In Ungarn finden Parlamentswalen statt. Nach aktuellen Umfragen liegt die oppositionelle Tisza-Partei deutlich vor der regierenden Fidesz-Partei von Victor Orban. Der wohl neue und europafreundliche Ministerpräsident Peter Magyar wird sich dann mit dem anhaltenden Widerstand von Fidesz-Vertretern in den Institutionen auseinandersetzen, ähnlich der Situation von Donald Tusk in Polen. Zumindest kurzfristig könnte der Forint durch die Aussicht auf die zurückgehaltenen EU-Hilfen aber deutlich aufwerten. Und der ungarische Widerstand gegen die Auszahlung der Ukraine-Hilfen wäre wohl beendet.
Auch in Peru finden Parlaments- und Präsidentschaftswalen statt.
In der Q1-Berichtssaison berichten u.a.: Goldman Sachs und LVMH.
In China werden die Daten zum Außenhandel im März zeigen, dass der Krieg im Iran die Lieferwege kurzfristig deutlich gestört hat. Exporte (Januar/Februar: +21,8%) und Importe (Januar/Februar; +19,8%) dürften noch etwa 10% über Vorjahr gelegen haben. Die US-Zollpolitik dürfte die Lieferungen in Richtung Europa und Asien weiter gestützt haben.
In den USA dürften die Erzeugerpreise im März zum Vormonat um über 1% gestiegen sein (Februar; +0,7%). Der Iran-Krieg hat die Energiepreise stark nach oben getrieben. Zum Vorjahr dürfte der Anstieg bei über 4% gelegen haben.
In Washington beginnt die Frühjahrestagung von IWF und Weltbank mit der Veröffentlichung des World Economic Outlook (WEO).
Von der FED sprechen u.a. Goolsbee, Barkin und Paulson.
Von der EZB sprechen Lagarde und Makhlouf.
In der Q1-Berichtssaison berichten u.a.: Citi, Johnson & Johnson, JP Morgan und Wells Fargo.
Am US-Immobilienmarkt hat sich die Seitwärtsentwicklung wohl fortgesetzt. Der NAHB-Index dürfte nahe dem Vormonatswert gelegen haben. Die Nachfrage dürfte neben den anhaltend hohen Hypothekenzinsen kurzfristig durch die gestiegene geopolitische Unsicherheit und die hohen Energiepreise gebremst worden sein.
Die FED veröffentlicht das Beige Book zum Konjunkturausblick in den Regionen.
Von der FED sprechen u.a. Bowman und Barr.
Von der EZB sprechen u.a. Villeroy de Galhau und Schnabel.
In der Q1-Berichtssaison berichten u.a.: ASML, Bank of America, CATL,Morgan Stanley und TSMC.
In China wird das Bruttoinlandsprodukt zum ersten Quartal veröffentlicht. Das Wachstum dürfte bei etwa 1,5% zum Vorquartal (Q4: 1,2%%) bzw. 5% zum Vorjahr (Q4: 4,5%) gelegen haben. Der Jahresstart wäre damit stärker ausgefallen als von Analysten und der Regierung noch vor wenigen Monaten erwartet. Die gleichzeitig veröffentlichten Märzdaten zur Industrieproduktion und den Investitionen dürften zeigen, dass in Q1 erneut das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe das Zugpferd der Konjunktur war. Im Fokus steht, ob auch die Dynamik der Einzelhandelsumsätze – ein Indikator für die Konsumstärke – zumindest etwas zugelegt hat. Die Energiepreise waren in China im März dabei noch kein starker Faktor.
Die US-Industrieproduktion dürfte im März weiter gestiegen sein (Februar; 0,2%). Vor Beginn des Iran-Kriegs hatten sich die Stimmungsindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe sogar deutlich verbessert und die Beschäftigung im Sektor war weniger stark rückläufig. Die gestiegene geopolitische Unsicherheit und der kräftige Anstieg der Energiepreise haben eine noch bessere Produktionsentwicklung aber wohl verhindert.
Die ersten regionalen Frühindikatoren für April werden zeigen, wie sehr die US-Industrieunternehmen durch den Iran-Krieg getroffen worden sind. Der Philly-Fed Index (März: 18,1 Punkte) und der Empire State Index (März: -0,2 Punkte, Veröffentlichung am Mittwoch) dürften Rücksetzer zeigen.
Die EZB veröffentlicht das Protokoll zur letzten Zinsentscheidung.
Von der FED spricht u.a. Williams.
Von der EZB sprechen u.a. Schnabel und Lane.
In der Q1-Berichtssaison berichten u.a.: Pepsi und Netflix
Keine Veröffentlichungen.
Am 16. April 1917 erreichte Wladimir Lenin nach 17-jähriger Verbannung den Finnischen Bahnhof in Petrograd und verkündete sofort seine radikalen "Aprilthesen" gegen die nach dem Sturz des Zaren eingesetzte bürgerlich-liberale Provisorische Regierung unter Fürst Lwow. Am selben Abend forderte er vor tausenden Arbeitern "Alle Macht den Sowjets" – der Startschuss für die Oktoberrevolution, die Russland grundlegend umgestalten sollte. Am Ende schuf sein Experiment eine Planwirtschaft, die zwar rasche Industrialisierung ermöglichte, aber durch fehlende Preissignale, Innovationshemmnisse und politische Repression einen hohen menschlichen und ökonomischen Preis forderte. Am heutigen Beispiel Russlands zeigt sich das komplexe Erbe: Trotz der sowjetischen Bildungs- und Wissenschaftserfolge fehlt es an diversifizierter Wirtschaft, rechtsstaatlichen Strukturen und der institutionellen Basis für nachhaltiges Wachstum. Die deutsche Heeresleitung schleuste Lenin in einem "plombierten Waggon" durch Deutschland – versiegelt, niemand durfte ein- oder aussteigen. General Ludendorff kommentierte später: "Wir schickten Lenin nach Russland wie einen Bazillus in einem verschlossenen Reagenzglas." Der politische Erreger entfaltete seine Wirkung – allerdings breitete sich die revolutionäre Unruhe später auch nach Deutschland aus, was die Militärstrategen nicht eingeplant hatten.