
Der Wochenausblick auf KW 24. Zwei wichtige Stimmungstests für den Markt: Die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag und der Börsengang von SpaceX am Freitag. Zudem liefern die US-Inflationsdaten für Mai einen entscheidenden Hinweis auf den künftigen Kurs der Fed. Auch aus China kommen Handels- und Preisdaten. Die stockenden Iran-Verhandlungen halten die geopolitische Risikoprämie wohl erhöht. Und vor 97 Jahren trat der Lateranvertrag in Kraft, durch den Italien die Enteignung des Vatikans mit einer milliardenschweren Entschädigung abgelten wollte.
Die OPEC+ trifft sich zur Überprüfung der Förderpolitik für Juli.
In Peru findet die zweite Runde der Präsidentschaftswahl statt.
In Armenien und dem Kosovo finden Parlamentswahlen statt.
Die FED beginnt ihre Schweigeperiode vor der kommenden Zinsentscheidung am 17. Juni.
In Deutschland werden die Auftragseingänge der Industrieunternehmen für April veröffentlicht (März: +5%). Der starke Anstieg im Vormonat war teilweise ein Sondereffekt: Unternehmen haben Bestellungen vorgezogen, um Preiserhöhungen ihrer Lieferanten im Zuge des Iran-Kriegs zuvorzukommen. Für April ist daher mit einer deutlichen Korrektur zu rechnen. Entscheidend ist, ob die Kerngröße (ohne Großaufträge) über dem Seitwärtsband von 2024 verbleibt.
In Kalifornien startet die jährliche Entwicklerkonferenz von Apple.
China veröffentlicht die Außenhandelsdaten für Mai. Die Wachstumsraten der Exporte (April: +9,8%) und Importe (April: +25,3%) dürften nochmals gestiegen sein. Die KI-getriebene Hardware-Nachfrage und ein günstiger Basiseffekt (Handelseinbruch im Vorjahr) stützen.
In Deutschland folgen die Daten zur Industrieproduktion und den Exporten für April. Nach dem Rückgang der Produktion im März (-0,7%) ist eine technische Gegenbewegung zu erwarten. Bei den Exporten dürfte der Iran-bedingte Nachfrageeinbruch für ein Minus gesorgt haben (März: +0,5%). Insgesamt bleibt die Dynamik in der Industrie wohl schwach.
In den USA finden weitere Vorwahlen zu den Mid-Terms statt u.a. in Nevada und South Carolina.
China veröffentlicht die Inflationsdaten für Mai. Der Energiepreisanstieg und der KI-Hardware-Boom dürften die Teuerung der Erzeugerpreise weiter angeschoben haben (April: +2,8%). Die Verbraucherpreisinflation dürfte sich dagegen nur wenig verändert haben (April: +1,2%). Die Tourismusnachfrage ist wieder abgeebbt und die Zurückhaltung der Konsumenten begrenzt die Preissetzungsspielräume der Unternehmen auch im Güterbereich.
Auch in den USA werden die Verbraucherpreise (CPI) für Mai veröffentlicht. Zum Vormonat dürfte die Teuerung bei etwa 0,4% gelegen haben (April: +0,6%), wodurch die Jahresrate auf über 4% steigen dürfte (April: 3,8%). Die Kernteuerung dürfte zwar etwas niedriger ausfallen (April: +0,4%). Die Kerninflationsrate dürfte sich aber der 3%- Marke angenähert haben und damit die Diskussion über die Richtung der FED-Erwartungen befeuern.
Die Bank of Canada wird ihren Leitzins auf der Junisitzung nicht verändern (aktuell: 2,25%). Hintergrund ist die schwache Konjunktur und der Rückgang der Kerninflationsrate.
Die EZB wird ihre Leitzinsen auf ihrer Junisitzung dagegen wohl erstmals wieder um 25 Bp anheben (Einlagensatz aktuell: 2,0%). Zugleich veröffentlicht die EZB neue Projektionen: Für 2026 ist mit einer Inflationsprognose von rund 2,9% (bisher 2,6%) und einer Wachstumsprojektion von 0,7% (bisher 0,9%) zu rechnen. Die Kerninflationsrate ist zuletzt auf +2,5% gestiegen und damit etwas stärker als erwartet und auch die Preiserwartungen der Unternehmen und Haushalte haben zugelegt. Eine Anhebung ist dennoch umstritten, da gleichzeitig die Konjunkturindikatoren sehr schwach ausgefallen sind und die Preis- und Zinselastizität der Nachfrage deutlich höher sein dürfte als 2022. Im Fokus steht die Frage nach weiteren Zinssignalen. Am Markt sind derzeit bis Jahresende zwei weitere Zinsschritte eingepreist. Das erscheint zu viel des Guten.
Die Notenbank in der Türkei dürfte ihren Leitzins dagegen unverändert halten (aktuell: 37%).
In den USA werden die Erzeugerpreise (PPI) für Mai veröffentlicht. Die Preise dürften erneut deutlich gestiegen sein, wenn auch etwas weniger stark als im Vormonat (April: +1,4%). Treiber sind die Benzinpreise und Transportkosten.
In den USA, Mexiko und Kanada beginnt die Fußballweltmeisterschaft.
In der Q1-Berichtssaison berichtet u.a.: Adobe.
In den USA wird das Michigan-Verbrauchervertrauen für Juni veröffentlicht (Mai: 44,8). Der Index dürfte in der Nähe des Allzeittiefs aus dem Vormonat verharrt haben.
In Frankreich trifft Präsident Macron den kanadischen Premier Carney zur Vorbereitung des G7-Gipfels in Évian-les-Bains (ab 15. Juni).
Von der EZB ordnen Kocher und Nagel die Zinsentscheidung am Vortrag ein.
Auch die Notenbank in Peru wird wohl keine Änderung ihres Leitzinses beschließen (aktuell: 4,25%).
In den USA findet der Börsengang von SpaceX statt. Im größten IPO aller Zeiten plant das Unternehmen bis zu 75 Mrd. USD einzusammeln, was zu einer Bewertung von etwa 1,8 Billionen USD führen würde. Für die Märkte ist es ein wichtiger Stimmungstest für das KI-Sentiment.
Am 7. Juni 1929 trat der Lateranvertrag in Kraft. Italien erkannte den Vatikan als souveränen Staat an und entschädigte die katholische Kirche mit 750 Millionen Lire in bar sowie einer Milliarde Lire in Staatsanleihen mit 5% Verzinsung – als Wiedergutmachung für die Annexion des Kirchenstaats durch italienische Truppen im Jahr 1870. Fast 60 Jahre lang hatten die Päpste diese Anerkennung verweigert und sich als „Gefangene im Vatikan" betrachtet. Erst Mussolini, der dem Faschismus kirchliche Legitimität verschaffen wollte, erzielte mit Pius XI. eine Einigung: keine Gebietsabgabe, sondern nachträgliche Entschädigung für eine Enteignung von vor sechs Jahrzehnten. Was aus diesem Startkapital wurde, ist bemerkenswert: Die Kirche investierte breit in Immobilien, Aktien und Unternehmensbeteiligungen. Allein in Deutschland schätzen Experten das Kirchenvermögen auf 200 bis 400 Milliarden Euro, weltweit auf 2 bis 3 Billionen Euro. Damit ist die Kirche einer der größten institutionellen Eigentümer der Welt – ohne je Quartalszahlen veröffentlichen zu müssen.