12.06.2026

Der Wochenausblick auf KW 25 2026

Der Wochenausblick auf KW 25. Die Woche der Notenbanken. Im Fokus stehen die erste Zinsentscheidung der Fed unter Kevin Warsh, die voraussichtliche Zinsanhebung in Japan und die Signale von BoE und SNB. Konjunkturseitig liefern die Einzelhandelsumsätze und Produktionsdaten aus den USA und China sowie Inflationsdaten aus dem Euro-Raum Impulse. Politisch richtet sich der Blick auf den G7-Gipfel in Evian und das angekündigte Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Und vor 160 Jahren wurde in Texas die Befreiung der versklavten Menschen verkündet – daraus entstand Juneteenth, heute ein US-Feiertag für Freiheit und Gleichberechtigung.


Samstag/Sonntag

Politik

In der Schweiz wird über eine Begrenzung der Zuwanderung und der Bevölkerungszahl abgestimmt. 

In den USA finden landesweite Proteste gegen Präsident Trump statt, der seinen 80. Geburtstag feiert. 


Montag

Konjunktur

In den USA wird die Industrieproduktion für Mai veröffentlicht (April: +0,7%). Nach dem kräftigen Vormonat ist erneut ein Anstieg wahrscheinlich. Die US-Industriekonjunktur hat zuletzt an Dynamik gewonnen. 

Politik

In Frankreich beginnt der G7-Gipfel in Evian. Im Zentrum stehen die Friedensverhandlungen im Nahen Osten und Fragen der Energieversorgung und der Handelsbeziehungen. 


Dienstag

Konjunktur

In China wird das Datenpaket aus Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Anlageinvestitionen für Mai veröffentlicht (April: +4,1%, +0,2% bzw. Januar-April: -1,6%). Die Daten dürften das Bild einer Volkswirtschaft bestätigen, in der die Exportseite weiterträgt, die Binnennachfrage aber noch nicht.

Geldpolitik

In Japan dürfte die Bank of Japan ihren Leitzins nach einer längeren Zinspause wieder um 25 Bp anheben (aktuell: 0,75%). Hierfür spricht die Entwicklung der Löhne, Energiepreise und des Yen in den vergangenen Wochen. Zugleich dürfte die BoJ die Reduktion ihrer JGB-Käufe vorerst nicht weiter beschleunigen, um die Renditevolatilität zu begrenzen.

Die Notenbank in Australien (RBA) wird ihren Leitzins dagegen – nach drei Anhebungen in Folge – wohl unverändert halten (aktuell: 4,35%). Der Energiepreisschock wirkt zunehmend dämpfend auf die Nachfrage. 

Auch die Notenbank in Chile wird ihren Leitzins unverändert halten (aktuell: 4,50%). 


Mittwoch

Konjunktur

In den USA wird der Einzelhandelsumsatz für Mai veröffentlicht (April: +0,5%). Nominal ist erneut ein Plus von rund 0,5% realistisch, auch weil höhere Benzinpreise die Umsätze getrieben haben. Preisbereinigt dürfte der Anstieg aber sehr gering ausgefallen sein. 

Geldpolitik

In den USA wird die Fed ihren Leitzins in der ersten Sitzung unter Kevin Warsh unverändert halten (aktuell: Obergrenze 4,50%). Zentral ist, ob der bisherige Lockerungsbias gestrichen wird, welchen Zinspfad der Dot Plot anzeigt, ob Warsh selber für eine Zinssenkung votiert und welche Signale er zur Bilanzpolitik der FED und der Kooperation mit dem Präsidenten gibt. Zudem steht die Frage im Fokus, ob und wie sich die Reaktionsfunktion und die Kommunikation unter Warsh perspektivisch verändern wird.

Die Notenbank in Brasilien könnte ihren Leitzins um 25 Bp senken (aktuell: 14,50%). 

Die Notenbank in Schweden wird ihre Zinspause dagegen wohl fortsetzen (aktuell: 1,75%). 


Donnerstag

Politik

In Brüssel beraten EU-Staats- und Regierungschefs über die Ukraine-Unterstützung und die Folgen des US-Iran-Konflikts

Geldpolitik

In Großbritannien wird die Bank of England ihren Leitzins wohl unverändert halten (aktuell: 3,75%). 

Auch die Notenbank in der Schweiz wird ihren Leitzins nicht anpassen (aktuell: 0,00%). Sie dürfte einen vorsichtig falkischeren Ton anschlagen, da Deflationsrisiken zurückgehen und der Franken zuletzt weniger stark zugelegt hat.

In Indonesien (aktuell: 5,50%) und den Philippinen (aktuell: 4,50%) dürften die Notenbanken auf Grund der schwachen Währungen ihre Leitzinsen um jeweils 50 Bp anheben.


Freitag

Konjunktur

In Japan wird die Verbraucherpreisinflation für Mai veröffentlicht (April: +1,4%). Die Gesamtinflation dürfte auf etwa 1,6% steigen, die Kernrate ohne frische Lebensmittel auf rund 1,5%. Damit bekommt die BoJ zusätzliche Bestätigung, dass ihr Normalisierungskurs auch über die Preisdaten begründbar ist.

Geldpolitik

In Russland dürfte die Notenbank ihren Leitzins in Reaktion auf die Schwäche der Wirtschaft weiter senken (aktuell: 14,5%). 

Finanzmarkt

In den USA bleiben die Börsen wegen Juneteenth geschlossen. Auch in China ruht der Handel wegen des Drachenbootfestes. 


KW 25 in historischer Perspektive

Am 17. Juni 1972 wurden fünf Männer beim Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate-Komplex in Washington verhaftet. Aus einem zunächst klein wirkenden Vorgang entwickelte sich eine der größten politischen Krisen der USA, weil die Vertuschung bis in das Weiße Haus führte und Präsident Richard Nixon 1974 zum Rücktritt zwang. Für Märkte war Watergate eine Erinnerung daran, dass politische Institutionen und Vertrauen keine weichen Faktoren sind, sondern Risikoprämien, Währungen und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Bis heute steht der Fall für die Bedeutung unabhängiger Medien, wirksamer Kontrollen und glaubwürdiger Rechtsstaatlichkeit. Die fast schon filmreife Anekdote: Aufgedeckt wurde der Einbruch, weil Wachmann Frank Wills ein Stück Klebeband an einer Tür bemerkte, es entfernte und kurz darauf feststellte, dass jemand es erneut angebracht hatte.


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