
Der Wochenausblick auf KW 28. Im Mittelpunkt stehen makroseitig die deutschen Industrieaufträge, der ISM-Index für den US-Dienstleistungssektor, das Fed-Protokoll und die Inflationsdaten in China. Geldpolitisch liefern die Notenbank in Neuseeland sowie die Protokolle von FED und EZB Hinweise, wie die Währungshüter den Rückgang der Energiepreise gegen die weiterhin erhöhte Kerninflation abwägen. Politisch steht der NATO-Gipfel in Ankara im Fokus. Am Ölmarkt prüft OPEC+, ob der jüngste Preisrückgang Spielraum für weitere Förderanpassungen lässt. Und vor 194 Jahren verschärfte Andrew Jackson mit seinem Veto gegen die Second Bank of the United States den Konflikt zwischen Politik und Geldwesen – ein frühes Beispiel für die Bedeutung der Zentralbankunabhängigkeit.
In den USA wird der Unabhängigkeitstag gefeiert (Independence Day).
Im Iran findet die Bestattung des geistlichen Führers Ali Chamenei statt.
Die OPEC+ entscheidet, ob die schrittweise Ausweitung der Produktion fortgesetzt wird. Angesichts des jüngsten Rückgangs der Ölpreise ist eine Pause wahrscheinlicher.
Von der EZB sprechen u.a. Vize-Präsident Vujcic, Mousin und Kaasik.
In Deutschland wird der Auftragseingang der Industrie für Mai veröffentlicht. Nach dem kräftigen Rückgang im April dürfte die Verunsicherung durch den Iran-Krieg und höhere Energiepreise die Nachfrage erneut belastet haben. Ein Rückgang um etwa 1% ist realistisch (April: -3,8%). Entscheidend ist, ob der Index in seine alte Seitwärtsphase zurückfällt oder auf dem mittelfristigen Aufwärtstrend bleibt.
In den USA wird der ISM-Index für die Dienstleistungen für Juni veröffentlicht. Der Index sollte nahe dem erhöhten Vormonatswert bleiben (Mai: 54,5 Punkte) und damit weiterhin ein solides Wachstum des Dienstleistungssektors anzeigen.
Von der FED äußert sich Waller.
Von der EZB sprechen u.a. Schnabel, Wunsch und Lane.
In Deutschland wird die Industrieproduktion für Mai veröffentlicht. Der jüngste Rücksetzer der Auftragseingänge spricht gegen einen weiteren Anstieg (April: +0,4%).
Auf dem NATO-Gipfel in Ankara stehen wieder einmal höhere Verteidigungsausgaben und die weitere Unterstützung der Ukraine im Fokus. Auch US-Präsident Trump nimmt teil.
In Frankreich entscheidet der Oberste Gerichtshof über den Ausschluss von Marine Le Pen von der Präsidentschaftswahl 2027.
Von der EZB sprechen u.a. Panetta und Koch.
SpaceX wird in den Nasdaq-100 Index aufgenommen.
Die Notenbank in Neuseeland (RBNZ) wird ihren Leitzins auf ihrer Juli-Sitzung unverändert lassen (aktuell: 2,25%). Der Rückgang der Ölpreise und weiterhin enge Finanzierungsbedingungen sprechen für eine abwartende Haltung vor den neuen Projektionen im August.
In den USA werden die Minutes der ersten Fed-Sitzung unter Kevin Warsh veröffentlicht. Die Protokolle werden zeigen, wie sehr die Erwartungen und Positionen zu den Reformvorschlägen in den Bereichen Inflationsziel, Forward Guidance und Kommunikation divergieren.
Von der EZB spricht erneut Kocher.
In Italien legt UniCredit das Ergebnis des verlängerten Übernahmeangebots für Commerzbank-Aktien vor. Für den europäischen Bankensektor bleibt die Frage zentral, ob grenzüberschreitende Konsolidierung politisch und regulatorisch leichter wird.
In China wird die Verbraucherpreisinflation für Juni veröffentlicht. Die Inflationsrate dürfte mit 1,1% zum Vorjahr erneut niedrig ausgefallen sein, da niedrige Lebensmittelpreise und eine gedämpfte Binnennachfrage den Preisdruck begrenzen (Mai: 1,2%). Die Produzentenpreisinflation dürfte wieder deutlich gesunken sein. Hierfür sprechen niedrigere Rohstoff- und Energiepreise (Mai: 3,6%).
Die Eurogruppe der Finanzminister spricht in Brüssel über die Fiskalregeln, die Finanzierung zusätzlicher Verteidigungsausgaben und den Spielraum für nationale Konjunkturprogramme.
Die EZB veröffentlicht das Protokoll der Juni-Sitzung. Entscheidend ist, wie die Ratsmitglieder den Rückgang der Energiepreise gegen die weiterhin erhöhte Dienstleistungsinflation gewichtet haben.
Von der FED sprechen u.a. Williams und Logan.
Von der EZB sprechen u.a. Vize Vujcic und Stournaras.
Am 10. Juli 1832 legte US-Präsident Andrew Jackson sein Veto gegen die Verlängerung der Charta der Second Bank of the United States ein. Die Bank erfüllte viele Funktionen einer Zentralbank, war aber politisch umstritten, weil Jackson in ihr eine zu mächtige, privilegierte Institution sah. Der Konflikt verschärfte die Spannungen zwischen Regierung, Finanzsektor und Bundesstaaten und endete wenige Jahre später mit dem Auslaufen der Bankcharta. Für die Gegenwart bleibt die Episode relevant, weil sie zeigt, wie eng Geldordnung, Vertrauen und politische Legitimation miteinander verbunden sind. Jackson soll seinen Kampf gegen die Bank mit dem Satz zugespitzt haben, sie wolle ihn töten, aber er werde sie töten.