
Der Wochenausblick auf KW 29. Im Mittelpunkt stehen makroseitig die Juni-Daten aus den USA zur Inflation und den Einzelhandelsumsätzen sowie das Q2 BIP-Ergebnis aus China. Geldpolitisch liefern die Zinsentscheidungen der Bank of Canada und der Bank of Korea sowie die Äußerungen von FED-Chair Warsh vor dem Kongress Hinweise zum künftigen Kurs der Geldpolitik. Unternehmensseitig startet die Q2-Berichtssaison mit den großen US-Banken, ASML, Netflix und TSMC. Und vor 81 Jahren begann mit dem Trinity-Test das Atomzeitalter - ein historischer Einschnitt, dessen Verbindung von Technologie, Sicherheitspolitik und Kapitalbedarf heute wieder bemerkenswert aktuell wirkt.
In Brüssel beraten die EU-Außenminister über die Ukraine und die Lage im Nahen Osten.
Die OPEC veröffentlicht ihren Monatsbericht. Im Fokus steht, ob und wie die Organisation die erneute Eskalation im Iran bewertet.
In China werden die Handelsdaten für Juni veröffentlicht. Die Exporte dürften vom globalen KI-Hardware-Zyklus weiter gestützt worden sein und um mehr als 20% zum Vorjahr zugelegt haben (Mai: +19,4%).
In den USA wird die Verbraucherpreisinflation für Juni veröffentlicht. Wegen des spürbaren Benzinpreisrückgangs dürfte die Gesamtrate auf rund 3,8% gefallen sein (Mai: 4,2%). Die Kernrate dürfte dagegen wenig verändert bei knapp 3% gelegen haben (Mai: 2,9%).
Der NFIB-Mittelstandsindex dürfte im Juni – gestützt durch den Energiepreisrückgang – leicht gestiegen sein (Mai: 95,3 Punkte). Die Stimmung der kleineren Unternehmen hat sich seit Jahresbeginn gegensätzlich zu den großen Unternehmen deutlich eingetrübt. An dieser Divergenz dürfte sich auch im Juni nichts geändert haben.
Von der FED sprechen u.a. der neue FED-Chair Warsh vor dem Kongress und Goolsbee.
Zum Start der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: JPMorgan, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Bank of America.
In China wird das BIP für das zweite Quartal veröffentlicht. Das Wachstum dürfte auf 4,4% zum Vorjahr gefallen sein und damit unter die Zielspanne von 4,5% bis 5,0% rutschen (Q1: 5,0%). Die Juni-Daten zum Einzelhandelsumsatz, der Industrieproduktion und der Anlageinvestitionen werden zeigen, ob sich die Dynamik zum Ende des Quartals verändert hat. Im Fokus steht, ob sich der Einzelhandelsumsatz nach dem überraschend starken Rücksetzer im Vormonat zumindest wieder etwas verbessert hat (Mai: -0,6%).
In den USA wird die Erzeugerpreisinflation für Juni veröffentlicht (Mai: 6,5% zum Vj.). Der Rückgang der Energiepreise dürfte den Anstieg gebremst haben. Entscheidend bleibt, ob sich die Teuerung auf den Vorstufen der Güter und Dienstleistungen auch etwas abgeschwächt hat.
Die Bank of Canada wird ihren Leitzins auf ihrer Juli-Sitzung unverändert halten (aktuell: 2,25%). Die zuletzt wieder höheren Inflationserwartungen sprechen gegen rasche Lockerungen.
Die FED veröffentlicht das Beige Book zum Konjunkturausblick in den Regionen.
Von der FED sprechen u.a. Warsh und Musalem.
Von der EZB spricht Panetta.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: Johnson&Johnson, Morgan Stanley, United Airlines und ASML.
In den USA wird der Einzelhandelsumsatz für Juni veröffentlicht. Die nominalen Umsätze dürften durch niedrigere Benzinpreise gedämpft worden sein (Mai: +0,9%). Preisbereinigt dürfte der Konsum dagegen zugelegt haben und dabei vor allem durch den weiteren Anstieg der Finanzvermögen gestützt worden sein.
Die Notenbank in Südkorea wird ihren Leitzins auf ihrer Juli-Sitzung wohl um 25 Basispunkte auf 2,75% anheben (aktuell: 2,50%). Höhere Inflation, ein schwächerer Won und der kräftige KI-getriebene Exportzyklus sprechen für den Beginn eines Straffungszyklus.
Von der FED sprechen u.a. Logan und Jefferson.
Die EZB beginnt ihre Schweigeperiode vor der Zinsentscheidung am 23. Juli.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: GE, Netflix,TSMC und United Health.
In den USA wird das Michigan-Verbrauchervertrauen für Juli veröffentlicht. Die Stimmung dürfte sich leicht erholt haben, da niedrigere Benzinpreise die Inflationserwartungen der Haushalte gedämpft haben dürften (Juni: 51,3 Punkte).
In Shanghai beginnt die World Artificial Intelligence Conference. Für Märkte und Politik ist sie ein weiterer Prüfstein, ob der KI-Investitionsboom als Produktivitätsschub oder als Bewertungsrisiko gelesen wird.
Am 16. Juli 1945 wurde in der Wüste von New Mexico mit dem Trinity-Test erstmals eine Atombombe gezündet. Der Test war der sichtbare Abschluss des Manhattan-Projekts, eines staatlich gelenkten Innovations- und Investitionsprogramms von bis dahin kaum vorstellbarer Größe. Das Investitionsvolumen des Projektes lag bei über 2 Mrd. USD und entsprach damit etwa 0,8% der US-Wirtschaftsleistung. Der Test veränderte die Sicherheitsordnung, beschleunigte den Kalten Krieg und zeigte, wie eng Wissenschaft, Industrie, Staatshaushalt und Kapitalmärkte in Technologiesprüngen verbunden sein können. Für die Gegenwart bleibt die Episode relevant, weil auch KI, Energieinfrastruktur und Rüstung heute wieder hohe Investitionen mit schwer kalkulierbaren politischen Folgen verbinden. Der Projektleiter Robert Oppenheimer soll später erzählt haben, ihm sei beim Anblick der Explosion eine Zeile aus der Bhagavad Gita in den Sinn gekommen: „Nun bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“