
Der Wochenausblick auf KW 30. Die EZB-Sitzung am Donnerstag ist ein wichtiger Stimmungstest für die Anleihenmärkte. Datenseitig stehen in Asien die Kreditzinsen aus China und Japans Inflationsdaten im Fokus. In Europa werden die Einkaufsmanagerindizes zeigen, ob der erneute Ölpreisanstieg Spuren hinterlassen hat. In den USA nimmt die Berichtssaison Fahrt auf mit Ergebnissen u.a. von Alphabet, Tesla und Intel. Und vor 82 Jahren endete die Bretton-Woods-Konferenz mit der Einigung auf eine neue Weltwährungsordnung.
In den USA endet die Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Finale in New Jersey.
In den USA beginnt die Schweigeperiode der FED vor der Zinsentscheidung am 29. Juli.
In China werden die von der Geldpolitik der PBoC bestimmten Kreditzinsen der Banken auch im Juli unverändert bleiben. Der 1J Zins wird weiter bei 3,0% liegen, der 5J Zins bei 3,5%.
In Großbritannien übernimmt Andy Burnham (Labour) das Amt des Premierministers. Er ist bereits der siebte Premierminister seit dem Brexit-Votum 2016. Für die Märkte zählt, ob er bereits zu Beginn neue Impulse zur Fiskalpolitik und dem Verhältnis zur EU geben wird.
In der Q2-Berichtssaison berichtet u.a.: Ryanair.
In Deutschland wird der ZEW-Index für Juli veröffentlicht. Nach der jüngsten Erholung dürfte der Iran-Konflikt die Erwartungen wieder belastet haben (Juni: 10,5 Punkte).
Im Euro-Raum veröffentlicht die EZB die Ergebnisse zum Bank Lending Survey für das zweite Quartal. Sie werden zeigen, ob der höhere Zins- und Energiepreisstress die Kreditnachfrage der Unternehmen wieder stärker bremst.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: 3M, GM, MSCI, Novartis und Charles Schwab.
In den USA findet eine Anhörung im Prozess gegen den venezolanischen Staatschef Maduro statt.
In Indonesien wird die Notenbank ihren Leitzins wohl um 25 Bp anheben (aktuell: 5,75%). Hintergrund ist der anhaltende Abwärtsdruck auf die Rupiah.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: Deutsche Börse, Equinor, IBM, Moody’s, Otis, ServiceNow und Tesla.
In Südkorea präsentiert Samsung beim Galaxy-Unpacked-Event neue Geräte
In Südkorea wird das BIP für das zweite Quartal veröffentlicht. Nach einem sehr starken Anstieg zu Jahresbeginn (Q1: +2,8% zum Vq.) dürfte das Wachstum durch die hohen Energiepreise und Kapazitätsgrenzen in der Chip-Produktion auf rund +0,5% nachgelassen haben.
Die EZB wird ihren Leitzins auf der Juli-Sitzung – nach dem „präventiven“ Zinsschritt auf der letzten Sitzung – unverändert halten (aktuell: 2,25%). Die Inflationsrate wie auch die Inflationserwartungen sind im letzten Monat wieder etwas gesunken. Entscheidend ist, ob die EZB angesichts des erneuten Anstiegs der Ölpreise einen weiteren Zinsschritt in Aussicht stellt.
Auch die Notenbanken in der Türkei (aktuell: 37,0%) und in Südafrika (aktuell: 7,0%) werden ihre Leitzinsen auf den Juli-Sitzungen unverändert halten. Die erneuten Energiepreisrisiken sprechen gegen Lockerungen.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: Alphabet, BNP, Intel, Comcast, Nestle und SAP.
Im Euro-Raum werden die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Juli veröffentlicht. Die Stimmung der Unternehmen dürfte sich – durch die erneute Eskalation im Nahen Osten – wieder eingetrübt haben. Der Index für die Gesamtwirtschaft dürfte damit wieder unter die 50er-Marke gerutscht sein (Juni: 50,0 Punkte). Der Rückgang dürfte in der Industrie (Juni: 51,4 Punkte) etwas ausgeprägter ausfallen als bei den Dienstleistungen (Juni: 49,4 Punkte).
In Japan wird die Inflationsrate für Juni veröffentlicht. Die Kernrate dürfte leicht gestiegen sein (Mai: 1,5%) und damit einer weiteren Normalisierung der Geldpolitik der BoJ nicht entgegenstehen.
In den USA läuft ein vorübergehender globaler 10%-Importzoll aus, sofern der Kongress keine Verlängerung beschließt.
Auch in Russland wird die Notenbank ihren Leitzins unverändert halten (aktuell: 14,25%).
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a.: American Express,Verizon und Volkswagen.
Am 22. Juli 1944 beschlossen die Delegierten von 44 Staaten im US-amerikanischen Bretton Woods eine neue Weltwährungsordnung. Kern des Systems waren feste, aber anpassbare Wechselkurse: Der US-Dollar war zum festen Kurs von 35 US-Dollar je Feinunze Gold in Gold konvertierbar, während die übrigen Währungen ihre Wechselkurse an den Dollar banden. Gleichzeitig wurden mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zwei Institutionen geschaffen, die Wechselkursstabilität sichern, Zahlungsbilanzkrisen abfedern und den Wiederaufbau finanzieren sollten. Das Bretton-Woods-System beendete die Währungsinstabilität der Zwischenkriegszeit und schuf die Voraussetzungen für den starken Aufschwung von Welthandel und Wirtschaft in den Nachkriegsjahrzehnten. Zwar hob US-Präsident Richard Nixon 1971 die Goldkonvertibilität des Dollar auf und das System zerfiel wenig später, doch seine Grundideen wirken bis heute nach. John Maynard Keynes, gesundheitlich bereits schwer angeschlagen, führte die britische Delegation. Sein Gegenüber auf amerikanischer Seite war Harry Dexter White, enger Vertrauter von Finanzminister Henry Morgenthau Jr. Keynes plädierte für eine internationale Verrechnungswährung („Bancor“), White für ein dollarzentriertes System – letztlich setzte sich weitgehend die amerikanische Position durch.