
Der Wochenausblick auf KW 36. Die Inflationsrate im Euro-Raum dürfte wegen der höheren Energiepreise deutlich steigen und den erwarteten Zinsschritt der EZB im September untermauern. In den USA liefert der Arbeitsmarktbericht den letzten großen Beschäftigungsimpuls vor der nächsten Fed-Sitzung, dürfte die Zinsdebatte aber nicht entscheiden. Aus China kommen neue Stimmungsindikatoren, während die Notenbank in Neuseeland ihren Leitzins wohl erneut anhebt. Politisch stehen das G20-Treffen und die Gespräche zwischen Putin und Xi im Fokus sowie der erste parlamentarische Auftritt des neuen britischen Premierministers. Und vor 360 Jahren zerstörte der große Brand in London große Teile der Stadt und schuf die Basis für strengere Regulierungen und Versicherungsschutz.
In Island haben die Wähler beim EU-Referendum die Wiederaufnahme von Beitrittsgesprächen mit 52,8% abgelehnt. Damit bleibt das Land zwar eng in Binnenmarkt und Schengen eingebunden, eine Vollmitgliedschaft ist politisch aber auf absehbare Zeit vom Tisch.
In China wird der offizielle Einkaufsmanagerbericht (PMI) für August veröffentlicht. Der Index für die Industrie dürfte in Richtung der 50er-Marke gestiegen sein (Juli: 49,2 Punkte). Auch der Index für die Dienstleistungen sollte sich etwas erholt haben (Juli: 49,0 Punkte). Die inländische Konjunkturdynamik bleibt aber wohl fragil.
In Deutschland wird die Inflation für August veröffentlicht. Die Jahresrate dürfte wegen höherer Kraftstoffpreise deutlich von 2,8% auf 3,0% gestiegen sein. Die Kernrate dürfte bei etwa 2,6% verharrt haben.
In den USA beginnt das Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure. Im Mittelpunkt stehen die Folgen hoher Energiepreise sowie der Umgang mit den steigenden Finanzierungskosten.
In Kirgisistan beginnt der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Die angekündigten Gespräche zwischen Wladimir Putin und Narendra Modi sowie die Teilnahme Xi Jinpings unterstreichen den Anspruch der Staatengruppe, ein Gegengewicht zu westlich geprägten Institutionen zu bilden.
Auch im Euro-Raum dürfte die Inflation im August wegen der höheren Energiepreise deutlich von 2,9% auf 3,3% gestiegen sein. Die Kernrate dürfte unverändert bei 2,5% gelegen haben. Die Daten dürften die Erwartung einer weiteren EZB-Anhebung im September stützen, ohne aber die mittelfristigen Aussichten zu verändern.
In den USA wird der ISM-Index für die Industrie für August veröffentlicht. Nach 55,6 Punkten im Juli ist ein leichter Rückgang zu erwarten. Die Industriekonjunktur bleibt damit aber aufwärtsgerichtet.
In den USA finden in Massachusetts Vorwahlen für die Zwischenwahlen im November statt.
Von der EZB sprechen Vize Vujcic, Kocher und Nagel.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a. Dell, Medtronic und Palo Alto Networks.
In Großbritannien stellt sich Premierminister Andy Burnham erstmals dem Parlament. Die Opposition dürfte vor allem nach der Finanzierung seiner Entlastungspläne sowie nach dem Kurs gegenüber der EU fragen.
Die Notenbank in Neuseeland wird ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75% anheben (aktuell: 2,50%).
Von der EZB sprechen Wunsch und Buch.
In der Q2-Berichtssaison berichten u.a. Broadcom und Snowflake.
In Großbritannien beginnt der Parteitag von Reform UK in Birmingham.
Von der FED sprechen Waller, Hammack und Goolsbee.
Die EZB geht in die Schweigeperiode vor der Zinsentscheidung am 10. September.
In Deutschland wird der Auftragseingang der Industrie für Juli veröffentlicht. Nach dem kräftigen Anstieg im Juni (+3,1%) ist mit einem Plus von etwa 0,5% zum Vormonat zu rechnen. Dies würde die These einer Belebung der Konjunktur stützen.
In den USA wird der offizielle Arbeitsmarktbericht für August veröffentlicht. Nach einem auch durch Sonderfaktoren bedingten Rückgang um 23k Stellen im Juli dürfte die Beschäftigung wieder um rund 50k zugelegt haben. Ein klares Zeichen für oder gegen eine Zinserhöhung der FED im September würde das nicht bedeuten. Wichtiger hierfür sind die nächsten Inflationsdaten.
Am 2. September 1666 brach in einer Bäckerei in der Pudding Lane der Große Brand von London aus. Innerhalb von vier Tagen wurden mehr als 13.000 Häuser und 87 Kirchen zerstört. Der Wiederaufbau brachte strengere Bauvorschriften und förderte moderne Feuerversicherungen. Bis heute zeigt die Katastrophe, wie Regulierung und Versicherbarkeit urbane Risiken wirtschaftlich beherrschbar machen. Der Tagebuchschreiber Samuel Pepys vergrub seinen Parmesan und seinen Wein im Garten, um beides vor den Flammen zu retten.