
Der Wochenausblick auf KW 38. Die Zinsentscheidungen der FED, der Bank of England und der Bank of Japan prägen die Woche. Datenseitig stehen in den USA und China die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion für August im Fokus. Politisch richten sich die Blicke auf den BRICS-Gipfel, die russische Parlamentswahl und die Geschehnisse rund um die Straße von Hormus. An den Kapitalmärkten bleiben die Energiepreise und die Renditeentwicklung langlaufender Staatsanleihen zentrale Risikofaktoren. Und vor 18 Jahren machte die Insolvenz von Lehman Brothers aus einer Immobilienkrise eine globale Finanzkrise.
In Indien beginnt der 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi. Die Staats- und Regierungschefs beraten bis Sonntag über Handel, Energie und eine engere finanzielle Zusammenarbeit. Chinas Präsident Xi und Russlands Präsident Putin nehmen teil.
In Schweden findet die Parlamentswahl statt. Ministerpräsident Kristerssons Mitte-rechts-Lager kämpft um die Mehrheit, während die Sozialdemokraten von Magdalena Andersson in den Umfragen vorne liegen.
US-Präsident Trump besucht Irland und trifft Premierminister Martin. Im Mittelpunkt dürften die Handelsbeziehungen und die europäische Haltung im Iran-Konflikt stehen.
Von der EZB spricht Präsidentin Lagarde.
In den USA treffen sich die G20-Energieminister bis Mittwoch in Houston. Im Zentrum stehen Versorgungssicherheit, hohe Preise und alternative Transportrouten für Öl und Gas.
In China geben die August-Daten zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Anlageinvestitionen Signale, ob die Konjunkturdynamik nach der Schwäche im zweiten Quartal im Sommer etwas zugelegt hat. Die Industrieproduktion und der Einzelhandel dürften zum Vorjahr etwas stärker als zuletzt gestiegen sein (Juli: +4,5% bzw. +0,6%). Bei den Anlageinvestitionen ist mit einer weiteren Eintrübung zu rechnen (Januar bis Juli: -6,7%).
In Deutschland wird der ZEW-Index für September veröffentlicht. Die Konjunkturerwartungen dürften von 34,2 auf etwa 45 Punkte gestiegen sein, bleiben wegen der hohen Energiepreise aber anfällig für Rückschläge.
In Großbritannien wird der Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Lohnwachstum und Arbeitslosenquote werden zeigen, wie stark der binnenwirtschaftliche Preisdruck vor der Entscheidung der Bank of England noch ist.
In den USA stellt sich Finanzminister Bessent einer Anhörung im Repräsentantenhaus. Neben dem US-Dollar und den Renditen dürften Zölle und die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts im Mittelpunkt stehen.
In der Schweiz veröffentlicht die WTO ihren Welthandelsbericht. Besonders relevant sind die Einschätzungen zu Zöllen, geopolitischer Fragmentierung und den Lieferketten.
Von der EZB sprechen Cipollone und Reinesch.
In UK wird die Verbraucherpreisinflation für August veröffentlicht. Nach 2,9% im Juli dürfte die Jahresrate wegen höherer Energiepreise gestiegen sein und den Spielraum der Bank of England begrenzen.
In den USA wird der Einzelhandelsumsatz für August veröffentlicht. Nach dem Rückgang im Juli dürfte er um etwa 0,5% zum Vormonat gestiegen sein (Juli: -0,6%). Stärkere PKW-Verkäufe und höhere Benzinpreise sprechen für ein spürbares Plus. Nach der Schwäche im Vormonat sind die Daten ein wichtiges Signal zur Stabilität des Privaten Konsums.
In der EU hält Kommissionspräsidentin von der Leyen ihre jährliche Rede zur Lage der Union.
Die FED könnte auf ihrer September-Sitzung ihren Leitzins erstmals wieder anheben (aktuell: 3,75%). Die Entscheidung wird knapp ausfallen. Der Inflationsdruck ist erhöht und spricht – zusammen mit der zunehmenden Schwäche von Dollar und US-Staatsanleihen – klar für eine Straffung der Geldpolitik. Die US-Administration spricht sich dagegen zunehmend vehement für niedrige(re) Leitzinsen aus. Das Impulspotenzial für US-Renditen und die Finanzmärkte insgesamt ist in beide Richtungen erheblich.
In Brasilien wird die Notenbank ihren Leitzins dagegen wohl um 25 Basispunkte auf 13,75% senken (aktuell: 14,00%).
Von der EZB spricht Vizepräsident Vujčić.
In den USA beginnt Snap mit dem Verkauf seiner neuen Specs-Datenbrille. Die Produkteinführung ist ein Test für die Nachfrage nach erweiterten neuen KI-Hardware-Modellen.
In den USA werden neue Daten zum Immobilienmarkt veröffentlicht. Baugenehmigungen und Baubeginne für August geben Hinweise, wie sehr die gestiegenen Finanzierungskosten die Nachfrage belasten.
Im Europäischen Parlament spricht Kanadas Premierminister Carney über die strategische Partnerschaft zwischen Kanada und der EU.
Die Bank of England wird ihren Leitzins auf ihrer September-Sitzung wohl unverändert lassen (aktuell: 3,75%). Anders als in den USA trifft der gestiegene Inflationsdruck auf eine schwache Konjunktur.
Auch die Notenbanken in Tschechien (aktuell: 3,75%) und in Taiwan (aktuell: 2,00%) werden ihren Leitzins unverändert halten.
Von der EZB sprechen Rehn und Lane.
In Japan wird die Verbraucherpreisinflation für August veröffentlicht. Die Gesamtrate dürfte unverändert geblieben sein (Juli: +1,9%). Die Kerninflation könnte dagegen leicht gesunken sein (Juli: +1,8%).
In den USA wird die Industrieproduktion für August veröffentlicht. Erwartet wird ein Plus von 0,3% zum Vormonat, getragen von der hohen Nachfrage nach KI-bezogener Ausrüstung (Juli: +0,2%).
In Russland beginnt die dreitägige Parlamentswahl. Internationale Investoren achten vor allem auf Signale zur Kriegsfinanzierung, zu Sanktionen und zur künftigen Wirtschaftspolitik.
Die Bank of Japan wird ihren Leitzins erneut um 25 Basispunkte auf 1,25% anheben (aktuell: 1,00%). Der Schritt ist eingepreist. Entscheidend wird, ob die BoJ den vom Markt erwarteten zweiten Schritt noch in diesem Jahr bestätigt oder erst für Januar signalisiert. Ein hawkischer Ton könnte die aktuelle Yen-Erholung stützen.
Am 15. September 2008 beantragte die US-Investmentbank Lehman Brothers Gläubigerschutz und löste damit die akute Phase der globalen Finanzkrise aus. Mit Vermögenswerten von rund 639 Milliarden US-Dollar war es die größte Insolvenz der US-Geschichte. Der Vertrauensverlust erfasste Geldmärkte, Banken und Realwirtschaft und zwang Staaten sowie Notenbanken zu beispiellosen Stützungsmaßnahmen. Bis heute prägt der Fall die Regeln für Eigenkapital, Liquidität und die Abwicklung systemrelevanter Institute. Das Firmenschild aus der Londoner Lehman-Zentrale, ursprünglich auf 1.000 bis 1.500 Pfund taxiert, wurde 2010 bei Christie's für 99.560 Pfund versteigert.