16.01.2026

Der Wochenausblick auf KW 4 2026

Der Wochenausblick auf KW 4. US-Präsident Trump wird die Schlagzeilen erneut beherrschen. Seine Rede in Davos sowie die Eingriffe in Geschäftsmodelle der Banken und der Rechtsstreit mit der FED bergen Impulspotenzial. Relevant für die Kapitalmärkte bleiben aber auch die Makroebene - mit dem Q4-BIP Ergebnis in China und den Stimmungsindikatoren in Europa - und die Mikroebene, wo die Q4-Berichtssaison langsam Fahrt aufnimmt. Politisch unterzeichnen die EU und die Mercosur-Staaten das Handelsabkommen und vor dem Supreme Court verteidigt sich die FED gegen die US-Regierung. Die BoJ wird ihren hawkischen Grundton wohl verstärken, die Zinsen aber noch nicht anheben. Und vor 107 Jahren begann in Versailles die Pariser Friedenskonferenz zur Neuordnung Europas. Das Ergebnis war ein instabiles Dreieck aus Reparationen, Kriegsschulden und Kapitalexporten, das die Weltwirtschaft anfällig für Schocks machte.


Samstag/Sonntag

Politik 

In Paraguay unterzeichnen Vertreter der EU und der Mercosur-Staaten das Handelsabkommen.

In Grönland sind Demonstrationen gegen die Ambitionen der US-Administration geplant. 

In Portugal finden die Präsidentschaftswahlen statt. Umfragen signalisieren ein knappes Ergebnis und eine wahrscheinliche Stichwahl zwischen dem PS-Kandidaten Seguro und dem Vertreter der Rechtspopulisten Ventura.  

Geldpolitik 

Die FED geht in die Schweigeperiode vor der nächsten Zinsentscheidung am 28. Januar. 


Montag

Konjunktur

In China werden die Daten zum BIP im vierten Quartal sowie zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen im Dezember veröffentlicht. Das BIP-Wachstum dürfte sich auf 4,5% zum Vorjahr verlangsamt haben (Q3: 4,8%). Im Einklang mit dem Wachstumsziel der Regierung dürfte ein Jahresergebnis von 5% vermeldet werden. Spannend ist, ob sich die Schwäche des Einzelhandelsumsatzes im Dezember fortgesetzt hat und inwiefern die Nachfrage von der Aufwertung der Währung gestützt worden ist (November: +1,3%). Die Industrieproduktion dürfte wie im Vormonat expandiert haben (November: +4,8%) und die Investitionstätigkeit dürfte erneut deutlich gesunken sein (November: -2,6%).  

Politik

Die Euro-Finanzminister (Eurogruppe) entscheiden über die Nachfolge von EZB-Vize de Guindos. 

In Davos beginnt das jährliche World Economic Forum. Auch US-Präsident Trump hat seine Teilnahme angekündigt. 

Finanzmarkt

In den USA bleiben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen (Martin Luther King Day).  


Dienstag

Konjunktur

In Deutschland könnte der ZEW-Index zu den Konjunkturaussichten der Finanzanalysten im Januar weiter zugelegt haben (Dezember: 45,8 Punkte). Der Index spiegelt aber mehr die Kursgewinne am Aktienmarkt als die Dynamik der deutschen Wirtschaft. 

Politik 

In den USA endet eine von Präsident Trump genannte Frist für Banken zur Begrenzung der Zinssätze auf Kreditkarten auf 10%.  

Geldpolitik 

Von der EZB spricht Nagel auf dem WEF. 

Unternehmen

In der Q4-Berichtssaison berichten u.a.: 3M und Netflix. 


Mittwoch

Politik

In den USA beginnt die Anhörung vor dem Supreme Court zur geplanten Entlassung von FED-Mitglied Cook durch US-Präsident Trump. 

Auf dem World Economic Forum in Davos hält US-Präsident Trump seine Rede. Zudem spricht u.a. EZB-Präsidentin Lagarde.

Geldpolitik 

Die Notenbank in Indonesien wird auf ihrer Januarsitzung ihren Leitzins den vierten Monat in Folge unverändert halten (aktuell: 4,75%). 

Unternehmen

In den USA endet die Frist für Aktionäre von Warner Bros. Discovery zur Annahme der Übernahmeofferte von Paramount

In der Q4-Berichtssaison berichtet u.a.: Johnson&Johnson. 


Donnerstag

Konjunktur

In den USA wird die zweite Schätzung zum Q3-BIP Ergebnis veröffentlicht (bisher: 4,3%, ann.). 

Geldpolitik 

Auch die Notenbanken in Malaysia (aktuell: 2,75%) und Norwegen (aktuell: 4,0%) werden auf ihren Januarsitzungen ihre Leitzinsen unverändert halten. Die Notenbank in der Türkei dürfte dagegen die fünfte Zinssenkung in Folge beschließen (aktuell: 38%).

Die EZB veröffentlicht die Protokolle zur Zinsentscheidung im Dezember. 

Unternehmen

In den USA wird das Joint Venture von TikTok gegründet. 

In der Q4-Berichtssaison berichten u.a.: GE, Intel, Intuitive Surgical und Procter&Gamble. 


Freitag

Konjunktur

In Japan ist die Inflationsrate im Dezember wohl deutlich gesunken (November: 2,9%). Grund ist ein starker Basiseffekt bei Nahrungsmitteln im Vorjahr. Die Kerninflation lag aber wohl erneut nahe 3% (November: 3,0%) und gibt der BoJ Rückenwind für ihren derzeitigen Straffungsbias. 

Im Euro-Raum dürfte der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft im Januar den zweiten Rückgang in Folge zeigen (Dezember: 51,5 Punkte). Er sollte sich aber deutlich über der 50er-Expansionsschwelle halten und ein BIP-Wachstumstempo (zum Vorjahr) von etwa 1% anzeigen. Im Januar dürften sowohl der Index für die Industrie (Dezember: 48,8 Punkte) als auch der Index für die Dienstleister (Dezember: 52,4 Punkte) etwas gesunken sein. Hintergrund sind die enormen geopolitischen Unwägbarkeiten sowie gestiegene Zweifel, inwiefern sich der expansive Kurs der europäischen Fiskalpolitik in diesem Umfeld in eine höhere private Nachfrage übersetzt.

Geldpolitik

Die Bank of Japan wird auf ihrer Januarsitzung ihren Leitzins noch nicht weiter anheben (aktuell: +0,75%). Die jüngsten Daten zu Konjunktur und Preisentwicklung sowie die anhaltende Yen-Schwäche sprechen aber für weitere Zinsschritte in den kommenden Monaten. Gouverneur Ueda könnte signalisieren, dass der nächste Schritt spätestens nach der Bildung einer neuen Regierung zu erwarten ist. 

Von der EZB spricht erneut Lagarde auf dem WEF in Davos. 


KW 4 in historischer Perspektive

Am 18. Januar 1919 begann in Versailles die Pariser Friedenskonferenz und vereinte die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, allen voran Frankreich, Großbritannien und die USA, zur Neuordnung Europas. Politische Grenzziehungen wurden eng mit ökonomischen Fragen verknüpft: Reparationen, Kriegsschulden, Rohstoffzugang und die Stabilität der Währungen standen im Zentrum der Verhandlungen. Besonders der Vertrag von Versailles belastete Deutschland mit langfristigen Zahlungsverpflichtungen, die das internationale Finanzsystem der 1920er-Jahre strukturell überforderten. Das Ergebnis war ein instabiles Dreieck aus Reparationen, alliierten Kriegsschulden und US-Kapitalexporten, das die Weltwirtschaft anfällig für Schocks machte. Eine oft zitierte Anekdote: Der britische Delegierte und Ökonom John Maynard Keynes verließ die Konferenz frustriert vorzeitig und warnte, die wirtschaftlichen Bestimmungen seien „karthagisch“ – seine spätere Schrift „The Economic Consequences of the Peace“ wurde zur frühen Analyse eines Friedensvertrags, der ökonomisch bereits die Saat für die nächste Krise gelegt hatte. In diesem Sinne war die Konferenz ein frühes Lehrstück darüber, dass dauerhafte Ordnung nur entsteht, wenn ökonomische Anreize und politische Ziele zusammenpassen.


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