
Der Wochenausblick auf KW 44. Die Zinsentscheidungen von FED, EZB und Bank of Japan bilden den geldpolitischen Schwerpunkt der Woche. Konjunkturell stehen das US-BIP und der PCE-Preisindex sowie zum Wochenschluss Wachstumsdaten aus Deutschland und dem Euro-Raum und die deutsche Inflationsrate im Fokus. Politisch richten sich die Blicke auf die Wahlen in Brasilien und Israel, das Plenum des Zentralkomitees in China und den britischen Haushalt. Die Q3-Berichtssaison erreicht mit Ergebnissen unter anderem von Alphabet, Microsoft, Amazon und Intel einen Höhepunkt. Und vor 97 Jahren beschleunigte der Black Tuesday den Absturz an der Wall Street und wurde zum Symbol für den Beginn der Weltwirtschaftskrise.
In Brasilien findet die Stichwahl um das Präsidentenamt zwischen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Senator Flávio Bolsonaro statt. Das Ergebnis dürfte den wirtschaftspolitischen Kurs und die Positionierung des Landes zwischen den USA und China prägen.
In Serbien findet die Parlamentswahl statt. Im Fokus stehen der innenpolitische Kurs und die weitere Annäherung an die Europäische Union.
In Deutschland wird das ifo-Geschäftsklima für Oktober veröffentlicht. Gemessen an den bereits veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMI) dürfte auch der ifo-Index leicht gesunken sein. Zwar hat sich die Stimmung in der Industrie im Oktober stabil gehalten. Die Aussichten der Dienstleister und der Bauwirtschaft haben sich aber wohl eingetrübt.
In China beginnt das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und dauert bis Donnerstag. Hinweise auf zusätzliche Konjunkturmaßnahmen und den künftigen industriepolitischen Kurs dürften vor allem für chinesische Aktien und Rohstoffe relevant sein.
In China werden die Industriegewinne für September veröffentlicht. Höhere Erzeugerpreise und die robuste Nachfrage nach KI-Hardware dürften die Gewinne gestützt haben.
In den USA werden die Auftragseingänge langlebiger Güter für September veröffentlicht (August: -0,1%). Erwartet wird ein Anstieg um etwa 1%, wobei die Kernaufträge außerhalb des Transportsektors den besseren Hinweis auf die Investitionsdynamik liefern dürften.
In den USA wird das Verbrauchervertrauen des Conference Board für Oktober veröffentlicht (September: 81,9 Punkte). Angesichts hoher Preise und politischer Unsicherheit dürfte die Stimmung auf niedrigem Niveau geblieben sein.
In Israel findet die Wahl zur Knesset statt. Die regierende Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trifft auf ein Oppositionsbündnis unter Führung des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenko.
In Chile wird die Notenbank ihren Leitzins unverändert lassen (aktuell: 4,5%). Die schwache Binnenkonjunktur spricht gegen eine Anhebung, während hohe Energiepreise vor einer Senkung warnen.
In Großbritannien legt Schatzkanzler John Healey den Staatshaushalt vor. Investoren achten auf den Finanzierungsspielraum der Regierung und mögliche Folgen für die Emissionstätigkeit am britischen Anleihenmarkt.
In den USA wird die FED ihren Leitzins unverändert lassen (aktuell: 4,0%). Nach der Anhebung im September und wenige Tage vor den Kongresswahlen dürfte sie eine Pause einlegen. Die weiterhin zu hohe Inflation spricht aber für einen weiteren Zinsschritt im Dezember.
In Kanada wird die Notenbank ihren Leitzins voraussichtlich um 25 Bp auf 2,5% anheben (aktuell: 2,25%). Der Schritt wäre eine Reaktion auf wieder gestiegene Inflationsrisiken. Die Entscheidung wird aber knapp ausfallen.
Auch in Neuseeland wird die Notenbank ihren Leitzins um 25 Bp auf 3,0% anheben (aktuell: 2,75%). Die Inflation liegt weiterhin oberhalb des Zielbandes und der Energiepreisschock erhöht den Handlungsdruck.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Alphabet, BNP Paribas, Deutsche Bank, Microsoft, Santander, Standard Chartered und UBS.
In Kalifornien veranstaltet Apple das Produkt-Event „Pro and tell“. Erwartet werden neue Macs und ein neues iPad mini.
In den USA wird das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal veröffentlicht. Die Wirtschaft um etwa 3% gewachsen sein (Q2: +2,2%). Die Investitionen in KI-Infrastruktur stützen, während das höhere Handelsdefizit bremst.
In den USA wird der PCE-Preisindex für September veröffentlicht. Für die Kernrate wird erneut ein Anstieg um 0,3% zum Vormonat erwartet (August: +0,3%). Ein stärkerer Wert würde die Erwartung einer Zinserhöhung im Dezember festigen.
Im Euro-Raum wird die EZB ihren Leitzins unverändert lassen (aktuell: 2,5%). Nach der Anhebung im September will sie zunächst mit ruhiger Hand agieren, zumal die Spannungen am französischen Staatsanleihenmarkt und der Anstieg der Renditen gegen eine rasche weitere Straffung sprechen. Die erhöhte Inflation macht einen weiteren Zinsschritt im Dezember dennoch möglich.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Amazon, BBVA, ING, Intel, Lloyds Banking Group und Société Générale.
In Deutschland wird das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal veröffentlicht. Wegen hoher Energiepreise, schwachen Konsums und Belastungen der Industrie dürfte die Wirtschaft nur um 0,1% zum Vorquartal gewachsen sein (Q2: +0,3%).
Auch im Euro-Raum wird das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal veröffentlicht. Erwartet wird ein Zuwachs um 0,3% zum Vorquartal (Q2: +0,6%). Robuster Außenhandel stützt, während Einzelhandel und Industrieproduktion an Schwung verloren haben.
In Deutschland wird die Verbraucherpreisinflation für Oktober veröffentlicht. Die Jahresrate dürfte wegen der gesenkten Energiesteuer auf 2,9% gefallen sein (September: 3,3%), während der zugrunde liegende Preisdruck erhöht bleibt.
In den USA beginnt das Treffen der G20-Außenminister in Atlanta. Die Konflikte im Mittleren Osten, die Beziehungen zu China und die Zukunft der multilateralen Zusammenarbeit dürften die Beratungen bestimmen.
In Japan wird die Bank of Japan ihren Leitzins unverändert lassen (aktuell: 1,25%). Nach der Anhebung im September dürfte sie zunächst die Wirkung der bisherigen Straffung beobachten. Die nächste Anhebung dürfte im Dezember beschlossen werden.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Chevron, Colgate-Palmolive und ExxonMobil.
Am 29.Oktober 1929 erreichte der Börsencrash an der Wall Street am sogenannten Black Tuesday seinen dramatischen Höhepunkt. Der Dow Jones verlor an diesem Tag fast 12%, nachdem Kredithebel, überzogene Gewinnerwartungen und ein abrupt einsetzender Vertrauensverlust die Verkaufswelle verstärkt hatten. Der Einbruch vernichtete Vermögen, belastete Banken und trug über Konsum und Investitionen zur Verschärfung der Weltwirtschaftskrise bei. Bis heute erinnert der Tag daran, dass hohe Bewertungen vor allem dann gefährlich werden, wenn sie mit Fremdfinanzierung und einer plötzlichen Verknappung der Liquidität zusammentreffen. Als Anekdote blieb in Erinnerung, dass das Börsentickerband dem Handel zeitweise um mehrere Stunden hinterherlief und die Schlusskurse erst am Abend vollständig übermittelt waren.