
Der Wochenausblick auf KW 46. An den Kapitalmärkten stehen weiterhin die möglichen Folgen der US-Zwischenwalen für den KI-Boom im Fokus. Den wichtigsten Makro-Impuls der Woche liefern die US-Verbraucherpreise für Oktober. Sie dürften den Spielraum der FED für eine Zinspause im Dezember begrenzen. In China stehen Preis- und Außenhandelsdaten sowie der Singles’ Day im Mittelpunkt, während in Europa neue BIP-Daten aus Großbritannien und dem Euro-Raum anstehen. Politisch prägen die Wahl in Neuseeland, die COP31 und das Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs die Woche. Und vor 37 Jahren fiel die Berliner Mauer, nachdem eine missverständlich formulierte Antwort auf einer Pressekonferenz die Geschichte beschleunigt hatte.
In Neuseeland findet die Parlamentswahl statt. Die schwache Konjunktur und die hohen Lebenshaltungskosten erschweren der National Party von Premierminister Christopher Luxon die angestrebte zweite Amtszeit.
In Indien wird das Diwali-Fest gefeiert. Das wichtigste Konsumfest des Landes ist ein Stimmungstest für den privaten Verbrauch, der maßgeblich zum kräftigen Wachstum der indischen Wirtschaft beiträgt.
In China wird die Inflationsrate für Oktober veröffentlicht. Die Verbraucherpreisinflation dürfte bei rund 1% verharrt haben (September: +1,1%), während Energiepreise und die starke Nachfrage nach KI-Hardware den Anstieg der Erzeugerpreise hoch halten (September: +4,5%). Die weiterhin schwache Konsumnachfrage begrenzt aber die Preissetzungsspielräume der Unternehmen.
In der Türkei beginnt die UN-Klimakonferenz COP31. Bis zum 20. November verhandeln die Staaten in Antalya über Klimafinanzierung, Emissionsziele und die Umsetzung der bisherigen Zusagen.
In Europa beraten die Finanzminister beim Eurogruppen-Treffen über die Haushaltslage, die Finanzierung gemeinsamer Prioritäten und den wirtschaftspolitischen Kurs für 2027. Vor allem die Lage in Frankreich wird im Fokus stehen.
Von der FED sprechen Goolsbee und Barkin.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Allianz, E.ON, Infineon, RWE, Siemens, Siemens Energy, KKR, Occidental und UniCredit.
In China werden die Außenhandelsdaten für Oktober veröffentlicht. Die Exporte dürften dank der Nachfrage nach Technologieprodukten zweistellig gewachsen sein, während die Importe stärker von den hohen Energiepreisen geprägt bleiben. Die Daten zeigen, ob die Auslandsnachfrage die schwache Binnennachfrage weiterhin kompensiert.
In den USA wird die Inflation (CPI) für Oktober veröffentlicht. Die Gesamt- und die Kernrate dürften jeweils um 0,3% zum Vormonat gestiegen sein (September: +0,6% bzw. +0,3%). Vorjahresraten werden wegen der fehlenden Vergleichsdaten aus dem Shutdown im Oktober 2025 nicht ausgewiesen. Eine erneut hohe monatliche Kernrate würde eine weitere Zinsanhebung der FED im Dezember wahrscheinlicher machen.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten beginnen Gespräche zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA. Belastbare Fortschritte könnten die geopolitische Risikoprämie an den Energie- und europäischen Finanzmärkten verringern.
Von der FED spricht Waller.
Von der EZB sprechen Lane und Escriva.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: SoftBank, CoreWeave, Petrobras und Sea.
Von der EZB sprechen Kazaks, Nagel und Makhlouf.
In China erreicht das Singles’ Day Shopping-Festival seinen Höhepunkt. Für die großen Plattformkonzerne ist das Ereignis ein wichtiger Stimmungstest.
In den USA bleiben die Anleihemärkte wegen des Veterans Day geschlossen.
In Großbritannien wird das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal veröffentlicht. Nach der robusten ersten Jahreshälfte dürfte sich das Wachstum verlangsamt haben; hohe Preise und Finanzierungskosten bremsen den privaten Konsum und die Investitionen.
In Irland beginnt der EU-Gipfel. Die europäischen Staats- und Regierungschefs beraten über Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die strategische Position Europas,
Von der FED sprechen Schmid, Daly, Goolsbee, Hammack und Williams.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Applied Materials, Brookfield, Enel, Merck und Münchener Rück.
Im Euro-Raum wird das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal veröffentlicht. Die zweite Schätzung zeigt, inwiefern Konsum, Investitionen oder Außenhandel die Treiber des Wachstums waren.
In den USA wird der Erzeugerpreisindex für Oktober veröffentlicht. Nach dem kräftigen Anstieg im September (+1,3% zum Vormonat) dürfte der Preisauftrieb zumindest etwas nachgelassen haben. Die hohen Energie- und Transportkosten dürften aber weiter deutlich sichtbar sein.
Von der FED sprechen Daly, Jefferson und Collins.
Von der EZB sprechen Schnabel und Simkus.
In der Q3-Berichtssaison berichten u.a.: Mitsubishi UFJ Financial Group, Mizuho Financial Group und Rakuten.
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, nachdem SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz neue Reiseregeln verkündet hatte. Die überraschende Öffnung beschleunigte den politischen und wirtschaftlichen Umbruch in Deutschland und Europa. Mit der Wiedervereinigung begann die Integration zweier sehr unterschiedlicher Wirtschaftsordnungen, deren Investitions- und Anpassungskosten die Finanzpolitik noch Jahrzehnte prägten. Für Anleger bleibt der Tag ein Beispiel dafür, wie politische Regimewechsel binnen Stunden Erwartungen, Kapitalströme und langfristige Wachstumsperspektiven verändern können. Die berühmte Anekdote lieferte Schabowski selbst: Auf die Frage, wann die Regelung gelte, antwortete er nach kurzem Blättern „sofort, unverzüglich“.