21.05.2026

Marktkommentar | Euro-Konjunkturdaten: Weiter abwärts

Die Stimmung der Unternehmen im Euro-Raum hat sich im Mai weiter eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft ist den dritten Monat in Folge gesunken. Laut der Umfrage leidet derzeit vor allem der Dienstleistungssektor unter der hohen Unsicherheit, den gestiegenen Kosten und einer zunehmenden Zurückhaltung der Verbraucher. Gleichzeitig stehen die europäischen Volkswirtschaften immer stärker in einem strukturellen Anpassungsprozess. Die Daten zeigen damit nicht nur eine konjunkturelle Schwäche, sondern auch die wachsende Bedeutung eines ökonomischen Grundprinzips: der Knappheit. Dies verstärkt den Reformdruck, erklärt Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft im Euro-Raum ist im Mai auf 47,5 Punkte gefallen (April: 48,8 Punkte) und liegt damit tiefer unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Besonders deutlich verschlechterte sich die Lage im Dienstleistungssektor: Der entsprechende Index sank auf 46,4 Punkte (April: 47,6 Punkte) und markierte damit den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Auch die Industrie verlor weiter an Schwung. Der Index für das verarbeitende Gewerbe fiel auf 51,4 Punkte (April: 52,2 Punkte). Belastend wirkten in beiden Sektoren vor allem höhere Energiepreise, anhaltende geopolitische Spannungen sowie die Unsicherheit über die weitere geld- und handelspolitische Entwicklung. Während die Industrie noch von Lageraufbau und vorgezogenen Bestellungen sowie den staatlichen Aufträgen u.a. im Verteidigungs- und Infrastrukturbereich profitiert, schwächen sich die Auftragseingänge insbesondere im Dienstleistungsbereich deutlich ab. Gleichzeitig bleibt der Preisauftrieb erhöht. Viele Unternehmen können die gestiegenen Kosten jedoch nur teilweise an ihre Kunden weitergeben, sodass die Margen zunehmend unter Druck geraten. Für die EZB wird die Lage damit komplizierter: Einerseits spricht die schwache Konjunktur gegen Zinsanhebungen. Andererseits könnte der steigende Kostendruck die Inflation hartnäckiger halten als bislang erwartet.

Aussichten für Anleger

Für Anleger bleibt das Umfeld in Europa damit anspruchsvoll. Die europäische Wirtschaft bewegt sich in einem Spannungsfeld aus schwachem Wachstum, staatlichen Impulsen und gleichzeitig erhöhtem Kostendruck und strukturellen Herausforderungen. Das wird sich kurzfristig kaum ändern. Denn die Zeit scheinbar unbegrenzt verfügbarer Ressourcen geht zu Ende. Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre. Knappheit erzwingt Prioritäten und Innovation. Europa steht damit vor einer Richtungsentscheidung: Entweder verharrt der Kontinent in einer Politik der Stabilisierung und Absicherung. Oder er nutzt den innen- und außenwirtschaftlichen Druck für Erneuerung. Dabei verfügen die Mitgliedstaaten weiterhin über erhebliche wirtschaftliche Stärken. Das Zeitfenster für mutige Reformen wird mit den kommenden Wahlen u.a. in Frankreich, Italien und Spanien aber zunehmend kleiner.



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Unsere Autoren

Dr. Johannes Mayr
Dr. Johannes Mayr

Chefvolkswirt

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