23.07.2026

Marktkommentar | EZB-Entscheidung: Pause zur rechten Zeit

Die EZB hat ihre Leitzinsen auf ihrer Julisitzung wie erwartet unverändert gehalten. Der Einlagensatz liegt damit weiterhin bei 2,25%. Nach dem Vorsichts-Zinsschritt im Juni hat die EZB damit eine Pause eingelegt und gleichzeitig die Latte für weitere Schritte verbal relativ niedrig gehängt. EZB-Präsidentin Lagarde betonte, dass die Inflationsrisiken nach oben und die Wachstumsrisiken nach unten zeigen. Zweitrundeneffekte seien aber bisher kaum zu sehen. Auch deshalb sollte die aktuelle Zinspause nicht überhastet beendet werden, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

Die EZB hat ihren Einlagensatz auf ihrer Julisitzung wie erwartet bei 2,25% unverändert gehalten. Die heutige Entscheidung fiel zwar einstimmig. Zugleich diskutierten aber einige Ratsmitglieder, ob ein weiterer Schritt schon heute angemessen sei. Das zeigt, wie eng die Abwägung geworden ist und dass eine Anhebung im September ein ernstzunehmendes Szenario ist. EZB-Präsidentin Lagarde verwies darauf, dass der volle inflationäre Effekt des Energiepreisschocks noch nicht sichtbar ist und dass die EZB dessen Dauer, Intensität sowie mögliche Zweitrundeneffekte genau beobachte. Gleichzeitig sagte Lagarde aber auch, dass solche Zweitrundeneffekte bislang nicht zu sehen sind. Wir sehen das auch so. Genau deshalb ist die Pause richtig. Der Zinsschritt im Juni war als Vorsichtsmaßnahme zwar ungewöhnlich, aber vertretbar. Ein weiterer Schritt hätte aber eine andere Qualität. Er würde die Zinserwartungen wohl nach oben schieben und könnte die Finanzierungskosten deutlich verschärfen. Sinnvoll wäre das nur bei klaren Hinweisen, dass aus dem Angebotsschock ein breiter Inflationsprozess werden könnte, analog der Entwicklung von 2022. Davon ist bislang wenig zu sehen. Die Inflationserwartungen haben sich zwar leicht nach oben verschoben. Das war angesichts der Dynamik der Energiepreise und der (unguten) Erfahrungen aus 2022 aber auch nicht anders zu erwarten. Gleichzeitig ist die Inflationsrate im Juni auf 2,8% gefallen, die Kernrate auf 2,4%. Dienstleistungen bleiben zwar teuer, haben sich aber weniger stark verteuert als zuvor. Und die Wahrscheinlichkeit einer echten Lohn-Preis-Spirale ist sehr gering. Denn anders als 2022 fehlt in Europa ein großer Fiskalschub, die Realzinsen liegen deutlich höher und die Nachfrage reagiert empfindlicher auf Preissteigerungen. Zudem hat die EZB die Wachstumsdynamik seit 2022 wiederholt überschätzt. Natürlich muss die Notenbank wachsam bleiben und sollte angesichts der Unwägbarkeiten auf der Energiepreisseite falkenhaft kommunizieren. Weitere und vor allem rasche Zinserhöhungen zur Bekämpfung eines kriegsbedingten Ölpreisrisikos würden die Kollateralschäden für Europa aber möglicherweise sehr hoch ausfallen lassen. Das ist nur bei einem konkreten Inflationsszenario vertretbar.

Aussichten für Anleger

Die Märkte preisen nach der Sitzung zwei weitere Zinsschritte bis Jahresende ein. Das ist möglich, setzt aber deutlichere Zeichen von Zweitrundeneffekten voraus. Die EZB sichert sich mit ihrer heutigen Kommunikation vorab dagegen ab. Für Risikoanlagen bleibt das Umfeld in Europa damit anspruchsvoll. An den Anleihemärkten spricht die schwache Konjunkturdynamik dafür, nicht nur auf kurzfristige Laufzeiten zu setzen, auch wenn die EZB rhetorisch restriktiv bleibt. Denn mittelfristig darf sich Geldpolitik nicht nur vom Ölpreis treiben lassen. KI wirkt deflationär, geopolitische, demografische und klimatische Knappheiten wirken inflationär. Eine solide Geldpolitik schaut durch den aktuellen Impuls hindurch, ohne ihn zu ignorieren. Genau diesen Weg hat die EZB heute eingeschlagen und sollte ihn weitergehen.



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Unsere Autoren

Dr. Johannes Mayr
Dr. Johannes Mayr

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