
Auf ihrer Septembersitzung hat die Fed die Obergrenze für den Leitzins – wie erwartet – um 25 Basispunkte auf 4,0 % angehoben. Zugleich signalisiert der neue Dot Plot einen weiteren Schritt bis Jahresende und anschließend eine längere Pause. Die Fed reagiert mit ihrer Anhebung nicht nur auf die hartnäckige Inflation, sondern auch auf gestiegenen Zweifel des Anleihemarktes an ihrer Entschlossenheit. Für eine nachhaltige Trendwende der Kapitalmarktzinsen sind aber wohl Signale der Politik oder ein Abebben des KI-Investitionsbooms notwendig. Bis dahin ist mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen zu rechnen, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.
Auf ihrer Septembersitzung hat die Fed ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,0 % (Obergrenze) angehoben. Der Beschluss fiel einstimmig. Auch der neue Projektionspfad für die Zinsen ist etwas restriktiver: Der Median für den Leitzins liegt Ende 2026 und Ende 2027 nun bei jeweils 4,1 %. Erst für 2028 und 2029 werden wieder niedrigere Zinsen erwartet. Gleichzeitig stieg die Schätzung des längerfristig neutralen Zinses von 3,1 auf 3,2 %. Gemessen daran soll die Geldpolitik also über Jahre bremsend wirken. Hintergrund des Zinsschritts ist laut Fed-Chair Kevin Warsh vor allem die anhaltend hohe Inflation. Tatsächlich spielt aber auch der nicht durch Inflations- und Zinserwartungen bedingte Aufwärtsdruck auf die Finanzierungskonditionen eine Rolle. Die Wachstumserwartungen haben sich laut Fed weiter verbessert. Die Ratsmitglieder erwarten mittelfristig stärkere Produktivitätseffekte durch KI und sehen die wirtschaftlichen Folgen des neuerlichen Energiepreissprungs als begrenzt an. Stützend haben dabei wohl auch die starken Daten zum Einzelhandel gewirkt.
Aussichten für Anleger
Die Fed hat ihren Leitzins – wie vom Markt erwartet – angehoben. Der Schritt passt zur Philosophie von Warsh, die Marktsignale stärker als Orientierung zu nutzen und diese nicht im Vorfeld zu steuern. Er ist auch im Interesse der US-Regierung, der es bisher nicht gelungen ist, den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Kapitalmarktzinsen und damit die Finanzierungskosten für Staat und Unternehmen zu bremsen. Ausreichend ist der heutige Schritt aber wohl nicht. Hierfür braucht es eine Abschwächung der fundamentalen Treiber des Renditeanstiegs, zu denen die expansive und erratische Fiskal- und Außenpolitik der Trump-Administration, die Erosion des Dollar-Privilegs aus Sicht internationaler Investoren und die starke Kapitalnachfrage aus dem KI-Bereich gehören. Solange in diesen Bereichen eine Trendwende ausbleibt, sind wohl weitere Zinsschritte notwendig. US-Aktien haben die höheren Renditen bislang bemerkenswert gut verkraftet, gestützt von nominalem Wachstum und steigenden Unternehmensgewinnen. Die Sicherheitsmarge ist aber kleiner geworden und dürfte noch geringer werden: Denn je höher der sichere Zins, desto stärker müssen Aktien ihre Bewertung durch belastbare Gewinne statt durch Hoffnung rechtfertigen. Anleger sollten deshalb die Zinssensitivität von Geschäftsmodellen im Auge behalten.