
Die aktuellen Entwicklungen an den Währungsmärkten zeigen ein Umfeld, in dem Kapitalströme immer stärker über Wechselkurse und damit über die Performance internationaler Portfolios entscheiden. Der Dollar verliert an Zugkraft, während strukturelle Verschiebungen in Asien neue Impulse setzen. Dr. Johannes Mayr von Eyb & Wallwitz ordnet ein, warum Anleger Währungsrisiken stärker in den Fokus nehmen sollten.
Viele Investoren haben das Währungsrisiko lange unterschätzt und sich vor allem auf Aktienauswahl, Sektortrends und Zinspfadprognosen konzentriert. Doch das vergangene Jahr machte deutlich, wie stark Wechselkurse die Ergebnisse internationaler Portfolios beeinflussen. In Euro gerechnet gingen die Renditeunterschiede zwischen Regionen weniger auf die Aktienmärkte selbst zurück, sondern vor allem auf die Währungsentwicklung.
Leistungsbilanz versus Kapitalbilanz
Wechselkurse werden abwechselnd von Leistungsbilanz und Kapitalbilanz bestimmt: In handelsgetriebenen Phasen führen hohe Defizite tendenziell zu einer schwächeren Währung, während in kapitaldominierten Phasen Kapitalzuflüsse unabhängig von der realwirtschaftlichen Lage den Ausschlag geben. Dieses Zusammenspiel erklärt die Entwicklung des Dollars, der trotz wachsender Leistungsbilanzdefizite aufwertete, weil starke internationale Zuflüsse in US-Finanzanlagen eine große Anziehungskraft entfaltet haben.
Inzwischen verliert dieses Muster an Kraft, da Investoren ihr Dollar-Engagement zunehmend hinterfragen, in andere sichere Anlagen umschichten und häufiger währungsgesichert investieren. Für eine weitere Dollarabschwächung braucht es keine Kapitalflucht, denn bereits eine Normalisierung der Attraktivität amerikanischer Vermögenswerte reicht aus, um den Wechselkurs stärker an die wirtschaftlichen Fundamentaldaten heranzuführen, die auf eine Überbewertung hindeuten.
Asien wird zum strategischen Währungsraum
In Asien deutet sich ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel an, insbesondere in China. Die Währung wurde über Jahre künstlich schwach gehalten, um die Exportindustrie zu stärken, was zwar zu einer starken industriellen Position führte, aber auch die eigene Binnenkonjunktur schwächte. Nun richtet die Wirtschaftspolitik den Fokus zunehmend auf den Konsum im eigenen Land.
Eine graduelle Aufwertung des Renminbi könnte die Kaufkraft erhöhen und internationale Kapitalströme anziehen. Mit dem relativen Bedeutungsverlust des Dollars gewinnt die Region an Gewicht und könnte zusätzliche Mittel in asiatische Märkte lenken. Damit eröffnet sich für Investoren eine alternative Möglichkeit der Diversifikation über Währungsräume hinweg.
Aussichten für Anleger: Währungsrisiken stärker beobachten
Für die kommenden Monate spricht vieles für eine größere Rolle der Wechselkurse bei der internationalen Performance. Die Renditeabstände des vergangenen Jahres zeigen deutlich, wie stark Währungseffekte das Ergebnis beeinflussen können. Eine aktive Steuerung des Währungsrisikos wird damit wichtiger. Langfristig sprechen globale Strukturtrends für eine moderat schwächere Dollarentwicklung und eine zunehmende Bedeutung asiatischer Währungsräume.