
Der US-Arbeitsmarkt hat im August 162.000 Stellen aufgebaut und nach zwei schwachen Monaten damit deutlich an Dynamik gewonnen. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 %, die Erwerbsquote stieg leicht und auch die Vormonate wurden nach oben revidiert. Der Bericht stützt die These einer stabilen US-Konjunktur. Zugleich blieb die Lohndynamik mit 3,1% im Jahresvergleich moderat. Der Arbeitsmarkt steht einer Zinsanhebungen damit nicht mehr entgegen - umso entscheidender werden die Inflationsdaten der kommenden Woche, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.
Laut offiziellem Arbeitsmarktbericht stieg die Beschäftigung in den USA im August um 162.000 Stellen. Das ist nicht nur erheblich mehr als in den beiden Vormonaten, sondern auch deutlich mehr als der durchschnittliche monatliche Zuwachs in den vergangenen zwölf Monaten. Zudem wurden Juni und Juli zusammen um 55.000 Stellen nach oben revidiert. Die Sorge vor einem abrupten Einbruch am Arbeitsmarkt hat sich damit erneut nicht bestätigt. Positiv ist auch, dass sich der Stellenaufbau in der Industrie fortgesetzt hat. Zwar entfielen mit 101.000 weiterhin viele neue Stellen auf Gastronomie und Bildung, während der Informationssektor 23.000 Arbeitsplätze verlor. In der Summe zeigt der Bericht aber eine Wirtschaft, deren Beschäftigungsbasis trägt. Dazu passt die Haushaltsbefragung: Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,1 %, die Erwerbsquote stieg leicht auf 61,6 % und die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten ging deutlich zurück. Auch die Wochenarbeitszeit legte leicht zu. Gleichzeitig erhöhte sich der durchschnittliche Stundenlohn um 0,3 % zum Vormonat und um 3,1 % zum Vorjahr.
Aussichten für Anleger
Die US-Konjunktur und der Arbeitsmarkt sind stabil, der Lohndruck bleibt begrenzt. Die Entscheidung für oder gegen eine Zinsanhebung durch die FED im September fällt deshalb mit den Inflationsdaten der kommenden Woche. Fallen diese moderat aus, kann FED-Chair Warsh die Leitzinsen weiter unverändert halten. Fallen sie dagegen hoch aus, wird diese Position angesichts der robusten Wirtschaft immer schwerer zu begründen. Dann könnte der Aufwärtsdruck auf die Marktzinsen auch von der geldpolitischen Seite weiter zunehmen. Und die Notenbank auf einen Zielkonflikt mit dem Finanzministerium zusteuern. Dieses versucht durch Rückkäufe von Staatsanleihen die Liquidität am Anleihemarkt zu verbessern und den Druck auf die langfristigen Renditen zu begrenzen. Eine inflationsbedingt restriktivere FED würde in die entgegengesetzte Richtung arbeiten. Je stärker die Finanzpolitik auf niedrige Finanzierungskosten angewiesen ist, desto wichtiger wird dabei die Unabhängigkeit der Notenbank. Für Anleger heißt das: Das stabile Konjunktur- und Arbeitsmarktbild ist für Risikoanlagen weiter eine Stütze. Am Rentenmarkt bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis dagegen asymmetrisch: Ein moderater Inflationsbericht kann die Renditen stabilisieren, eine neue Aufwärtsüberraschung an der Preisfront könnte sie aber spürbar steigen lassen.