
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im September um 1,1 auf 89,9 Punkte gestiegen. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich verbessert. Damit bestätigt der wichtigste deutsche Frühindikator das kräftigere Signal der Einkaufsmanagerindizes. Die Erholung reicht über die Industrie hinaus, wird aber weiter stark von Investitionen in KI-Infrastruktur und den staatlichen Investitionsprogrammen gestützt. Ein selbsttragender Aufschwung ist daraus noch nicht geworden. „Die deutsche Wirtschaft gewinnt an Fahrt, aber noch nicht aus eigener Kraft“, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.
Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage mit 89,5 Punkten, nach 88,5 Punkten im August. Der Erwartungsindex stieg von 89,0 auf 90,4 Punkte. In sektoraler Betrachtung verbesserte sich das Geschäftsklima in der Industrie, bei den Dienstleistern und im Handel. Im Bau gab der Index dagegen nochmals leicht nach. Die Aufhellung ist damit breiter geworden. Das passt zu den gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes. Demnach legten die Auftragseingänge im September so stark zu wie seit Februar 2022 nicht mehr. Neben deutlich steigenden Exporten nennen die Unternehmen vor allem Investitionen als Treiber. Dazu gehören die staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsprogramme, vor allem aber der globale Ausbau von Rechenzentren: Die starke KI-Hardware-Nachfrage stützt europäische Anbieter von Stromverteilung, Kühlung und Automatisierung. Noch ist der Aufschwung jedoch nicht selbsttragend. Die neuen Impulse stammen zu einem erheblichen Teil vom Staat und aus wenigen globalen Investitionsfeldern. Gleichzeitig ging die industrielle Beschäftigung im September weiter zurück. Und der Preisdruck nimmt wieder zu. Höhere Kraftstoff- und Energiekosten ließen die Einkaufspreise kräftiger steigen, und die Dienstleister haben ihre Verkaufspreise so deutlich angehoben wie seit Mai nicht mehr. Damit wachsen die Preisrisiken, bevor die konjunkturelle Erholung auf einem breiten Fundament steht.
Aussichten für Anleger
Für Anleger verbessert sich das Umfeld für Unternehmen in Deutschland und Europa, die von Elektrifizierung, Automatisierung sowie staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben profitieren. Für eine breite Neubewertung deutscher Binnenwerte fehlt dagegen noch der Nachweis einer eigenständigen privaten Nachfrage. Zudem steigt das Risiko, dass robusteres Wachstum, expansive Fiskalpolitik und anhaltender Preisdruck die langfristigen Renditen hochhalten. Gute Konjunkturdaten werden in diesem Umfeld zunehmend zu einer Belastung für den breiten Aktienmarkt.