19.03.2026

Marktkommentar | Kommentar zur EZB-Sitzung: Entschlossener als die FED

Auf ihrer Märzsitzung hat die EZB ihren Leitzins wie erwartet unverändert bei 2,0% gehalten. Mit Blick auf den Anstieg der Energiepreise seit Anfang März hat die EZB ihren Inflationsausblick für 2026 deutlich angehoben und den Wachstumsausblick gesenkt. Sie signalisiert damit, dass Europa wirtschaftlich unmittelbar stärker von den Folgen des Iran-Kriegs betroffen ist als die USA und die Geldpolitik rascher auf anhaltend hohe Energiepreise reagieren dürfte, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.

Auf ihrer heutigen Sitzung hat die EZB ihren Leitzins (Einlagensatz) wie erwartet erneut unverändert bei 2,0% gehalten. Dabei hat sie ihre Inflationsprognose für 2026 deutlich von 1,9 auf 2,6% angehoben. Auch die Kerninflationsrate wird nun etwas höher erwartet. Gleichzeitig wurde der Wachstumsausblick für 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 0,9% gesenkt. Anders als die US-Notenbank hat die EZB ihre Anpassungen klar mit den Effekten und Risiken des Kriegs gegen den Iran begründet. Auf der Pressekonferenz hat EZB-Präsidentin Lagarde klargemacht, dass sich die EZB auf dem aktuellen Zinsniveau zwar weiterhin ausgewogen aufgestellt sieht. Die Risiken für Anpassungen hätten sich mit dem Anstieg der Energiepreise aber in Richtung einer Straffung erhöht. Das hätten auch neue Szenarioanalysen des EZB-Stabs gezeigt. Entscheidend sind dabei laut Lagarde die Höhe und die Dauer des Energiepreisanstiegs und dessen Wirkung auf die Inflationserwartungen und damit das Risiko für Zweitrundeneffekte. Die aktuell am Markt gepreisten Zinsanhebungen um 60 Bp bis Jahresende erscheinen damit bereits im Fall des moderateren Risikoszenarios der EZB realistisch.

Aussichten für Anleger
Die EZB hat heute das Signal gegeben, dass sie rascher auf hohe und weiter steigende Energiepreise reagieren wird als die FED. Hintergrund sind neben der stärkeren ökonomischen Abhängigkeit Europas von Energieimporten sicher auch die Erfahrungen und Lehren aus der Inflationskrise ab 2022. Für Anleger bedeutet das, dass zins- und vor allem konjunktursensitive Anlagen und Geschäftsmodelle in Europa stärker unter Druck kommen könnten und der Fokus deshalb noch stärker auf Robustheit und Preissetzungsmacht ausgerichtet werden sollte.



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Dr. Johannes Mayr
Dr. Johannes Mayr

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