
Die US-Verbraucherpreise sind im September um 0,6% gestiegen. Die Inflationsrate erhöhte sich damit von 3,4% auf 3,7%, etwas stärker als erwartet. Mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs entfiel auf Benzin. Gleichzeitig legte auch die Kerninflation leicht zu. Die Daten bestätigen das Bild einer US-Wirtschaft im inflationären Wachstum, in dem der Zinsdruck zunimmt. Die entscheidende Frage ist, was diesem zuerst nachgibt: Inflation oder Wachstum, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz.
Der Anstieg der Inflationsrate im September ist zu einem großen Teil auf Energie zurückzuführen. Die Energiepreise legten im September – getrieben durch die Angebotsrisiken infolge der Kriege im Iran und in der Ukraine – um 5,2% zu, Benzin sogar um 9,1%. Die Nahrungsmittelpreise blieben im Monatsvergleich dagegen unverändert. Hier zeigen sich noch keine Spuren der klimatischen Verschiebungen im Pazifik. Auch die Kernrate stieg im September leicht an. Dienstleistungen verteuerten sich zum Vormonat um 0,4%, ebenso das Wohnen. Zugleich stiegen die Preise für Güter um 0,3%. Die Daten passen zu einer Wirtschaft, deren nominale Nachfrage noch robust genug ist, um höhere Preise zu tragen. Gerade darin liegt das geldpolitische Dilemma: Solange das Wachstum nicht deutlich abkühlt, bleibt eine rasche Rückkehr der Inflation zum Ziel unwahrscheinlich. Mit jedem weiteren Monat hoher Zinsen werden jedoch Finanzierung, Investitionen und zinssensitive Nachfrage stärker belastet. Die Luft für ein unverändert kräftiges Wachstum wird dünner. Für die Fed sprechen die heutigen Daten damit weder für Hast noch für Entwarnung. Nach der Zinserhöhung im September könnte sie zunächst beobachten, ob der Energieimpuls stärker auf die Kerninflation übergreift. Für eine abwartende Haltung auf der Sitzung im Oktober sprechen auch die zuletzt deutlich gestiegenen Renditen für langlaufende Anleihen. Allerdings ist mit den September-Daten zur Inflation das Risiko einer kurzfristigen Anhebung der Leitzinsen ohne Frage gestiegen. Im Wahlkampf zu den Midterms keine leichte Entscheidung.
Aussichten für Anleger
Für Anleger ist dieses Umfeld anspruchsvoll. Solange das Wachstum den höheren Zins überkompensiert, können Unternehmensgewinne Risikoanlagen stützen. Zugleich bleiben lange Laufzeiten anfällig, solange die Fed keinen Spielraum für deutliche Zinssenkungen gewinnt. Entscheidend wird deshalb die Reihenfolge der Anpassung im kommenden Regimewechsel: Gibt zuerst die Inflation nach, verbessert sich das Umfeld für Anleihen und Bewertungen. Verliert zuerst das Wachstum an Kraft, geraten Gewinne und Risikoprämien unter Druck. Bis diese Frage beantwortet ist, sprechen die Daten für ausgewogene Portfolios mit einem Fokus auf robusten Bilanzen und ausgewogener Duration.