Wenn man an den Kapitalmärkten arbeitet, lernt man, dass Ruhe oft trügerisch ist. 2025 war ein gutes Beispiel dafür.
Oberflächlich betrachtet war das Jahr erstaunlich stabil: Wachstum und Inflation blieben nahe den Erwartungen, Rezessionsängste hielten sich in Grenzen und sowohl globale Aktien- als auch Anleihenindizes lagen (ordentlich) im Plus.
Aber unter dieser Oberfläche verschoben sich die Kapitalströme. Internationale Investoren begannen, ihre Übergewichtung in den USA abzubauen und Kapital Richtung Europa und Asien umzuschichten. Das war keine Panikreaktion, sondern eine strategische Antwort auf politische Risiken in den USA und die gestiegene ökonomische Bedeutung anderer Wirtschaftsräume, insbesondere Asiens.
Kurz: 2025 war ein Jahr, in dem die Weltordnung nicht zusammenbrach – sich aber erste Spuren der Weichenstellungen in Richtung einer multipolaren Weltordnung in der Weltwirtschaft und am Kapitalmarkt abzeichneten.
Das Versprechen der KI ist größer denn je. Wir sehen nicht nur smarte Assistenten, sondern eine tiefgreifende Transformation ganzer Branchen. Die Investitionen sind gigantisch: Die großen Technologiekonzerne – Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta, Apple, Tesla und Nvidia – investierten gemeinsam rund 340 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur, Datenzentren, Hardware und Personal.
Interessant ist die Parallele zum Eisenbahnboom des 19. Jahrhunderts:Damals wurden Schienen gelegt, bevor klar war, wie viele Züge fahren würden und wer davon profitieren würde. Heute werden Datenautobahnen gebaut, bevor die Geschäftsmodelle und Einsatzbereiche vollständig definiert sind.
Ein Vergleich mit der Dotcom-Blase ist in Mode – und er ist nicht völlig falsch, aber auch nicht sehr erhellend. Denn damals stiegen die Bewertungen auch von Unternehmen ohne Umsatz enorm. Im Gegensatz dazu sind die heutigen Big Techs nahezu schuldenfrei und finanzieren ihre Investitionen aus enormen Cashflows. Alphabet etwa erzielte 2024 einen Free Cashflow von 73 Milliarden US-Dollar bei Investitionen von 55 Milliarden, also aus mehr als komfortablen Mitteln.
Natürlich gibt es Risiken: Nicht jede Vision wird sich monetarisieren lassen. Aber die Infrastrukturinvestitionen schaffen die Basis für künftige Anwendungen – von autonomem Fahren bis zu KI-gestützter Medizin. Und ein Vergleich der Investitionsvolumina mit den Effizienzpotenzialen möglicher KI-Anwenderunternehmen lässt erstere weniger dramatisch erscheinen. So entsprechen die jährlichen Ausgaben der Big Tech in etwa den Kostenpotenzialen der Unternehmen im S&P 500, wenn durch den Einsatz von KI etwa 10% der Personalkosten eingespart werden können. Das sind keine heroischen Annahmen. Gleichwohl gilt natürlich: Wer am Ende profitieren wird, ist heute noch nicht absehbar.
Auch 2025 waren die Staatshaushalte zumindest medial eines der großen Themen. In den USA bleibt die fiskalische Lage angespannt. Der politische Betrieb war stark von kurzfristigen Entscheidungen geprägt, während strukturelle Haushaltsprobleme kaum adressiert wurden. Die Kombination aus hoher Staatsverschuldung, steigenden Zinsverpflichtungen und einer wirtschaftspolitischen Linie, die immer wieder von symbolischen Maßnahmen überlagert wurde, hat das Vertrauen ausländischer Investoren belastet. Diese Unsicherheit war einer der Gründe dafür, dass Kapital aus den USA abgezogen und verstärkt in Europa und Asien angelegt wurde. Zwar bleibt die US-Wirtschaft strukturell stark, doch die Bereitschaft internationaler Anleger, unbegrenzt und zu niedrigen Zinsen amerikanische Haushaltsrisiken zu tragen, hat im Jahr 2025 erstmals Risse gezeigt.
In Europa verlief die Entwicklung anders, aber nicht unbedingt beruhigender. Die fiskalischen Regeln wurden zwar wieder stärker in den politischen Diskurs eingebunden, doch die strukturelle Herausforderung bleibt bestehen: schwaches Trendwachstum, hohe Sozialausgaben und eine demografische Entwicklung, die mittelfristig den Druck auf die öffentlichen Finanzen erhöht. Gleichzeitig fehlt häufig der politische Konsens für konsequente Reformen. Im Unterschied zu den USA wird Europa jedoch weniger durch politische Volatilität als durch institutionelle Trägheit gebremst.
Für Anleger ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild: Europa wirkt stabiler, aber wenig dynamisch; die USA dynamischer, aber politisch riskanter. 2025 hat gezeigt, dass beide Modelle Verwundbarkeiten aufweisen – und dass fiskalische Solidität wieder stärker zu einem Standortfaktor für langfristiges Kapital geworden ist.
Die Aktienmärkte haben sich 2025 in einem Spannungsfeld aus technologischem Optimismus und geopolitischer Unsicherheit bewegt. Auffällig war, dass die Märkte mit Blick auf das permanente politische Grundrauschen einmal mehr erstaunlich widerstandsfähig blieben. Die Unternehmensgewinne entwickelten sich solide, und der Kapitalmarkt schien sich daran zu gewöhnen, dass hohe Investitionen in neue Technologien – insbesondere in Künstliche Intelligenz – nicht nur Kosten, sondern auch langfristige Wachstumschancen bedeuten. Gleichzeitig blieben Bewertungen im Tech-Sektor hoch, werden aber differenzierter betrachtet als noch zu Jahresanfang.
Regional betrachtet begann sich 2025 ein Bild abzuzeichnen, das man als vorsichtige Normalisierung bezeichnen könnte. Die USA blieben zwar der wichtigste Referenzpunkt für globale Anleger, doch Europa und Asien rückten stärker ins Bewusstsein – nicht als kurzfristige Alternativen, sondern als strukturelle Ergänzungen. Während die USA weiterhin für Innovationsdynamik stehen, punkteten andere Regionen mit stabileren Rahmenbedingungen oder attraktiveren Bewertungen. Das Ergebnis war ein Marktumfeld, in dem Anleger stärker bereit waren, geografisch zu diversifizieren, ohne dabei die großen Leitmärkte aus den Augen zu verlieren.
2025 war an den Anleihemärkten weniger durch große makroökonomische Schocks als durch tiefgreifende Strukturbewegungen geprägt. Oberflächlich betrachtet verlief das erste Halbjahr stabil. Doch auch hier war der entscheidende Impuls nicht die Performance, sondern der Wandel der Kapitalströme.
Mit der Abwertung des US-Dollars und der politischen Unsicherheit in den Vereinigten Staaten begannen institutionelle Anleger, Anleihenengagements in den USA zu reduzieren und verstärkt in andere Währungsräume zu allokieren. Diese Verschiebung machte sich besonders in Europa und Asien bemerkbar, wo stabile Institutionen und weniger politische Volatilität als attraktive Standortbedingungen wahrgenommen wurden.
Gleichzeitig zeigte das zurückliegende Jahr, wie wichtig es ist, die Wechselkurskomponente als integralen Bestandteil der Rendite in Portfolios zu verstehen: Während US-Investoren positive Anleihenerträge sahen, waren europäische Anleger durch die Dollar-Schwäche mit negativen Währungseffekten vor allem bei US-Engagements konfrontiert. Die Lehre aus diesem Jahr lautet daher, dass auch an den etablierten Anleihemärkten neben den Zins- und Kreditrisiken nun die Währungsentwicklung eine zentrale Rolle spielt, weil die Märkte als geopolitisch geprägter Dreh- und Angelpunkt internationaler Kapitalströme fungieren. Früher musste man sich über Dollar-Engagements keine Sorgen machen – das ist heute anders.
Natürlich sind Staatsanleihen bei sorgfältiger Selektion nach wie vor ein zentraler Stabilitätsanker im Portfolio, das schließt auch Schuldtitel von bonitätsstarken Unternehmen ein. Das zeigt sich auch in dem positiven Performancebeitrag der Anleihenseite in unseren Mischfonds.
Das Stichwort „sichere Häfen“ kann 2025 aber nicht fallen ohne Verweis auf die spektakuläre Gold-Rallye, die die Kurse seit Jahresbeginn um über 50% steigen ließ. Darin manifestiert sich auch die gestiegene Nachfrage von Zentralbanken wie auch von institutionellen Anlegern und Privatanlegern, die Alternativen zu ihren Dollar-Reserven aufbauen bzw. Gold in den Portfolios beimischen. Auch wenn es unmöglich ist, einen fundamentalen Wert von Gold anzugeben, überzeugte das Edelmetall 2025 als sicherer Hafen und hat auch in unseren gemischten Fonds und Mandaten maßgeblich zur Wertentwicklung beigetragen. Anleger in Kryptowährungen mussten hingegen auch 2025 wieder starke Nerven mitbringen, das wollen wir unseren Kunden prinzipiell ersparen. Alles in allem bleiben also bonitätsstarke Anleihen ein Muss für risikobewusste Anleger. Das Segment der sicheren Anlagen muss aber breiter gedacht werden.
Mit Blick auf China waren wir lange Zeit sehr skeptisch – vor allem aufgrund der kaum abschätzbaren politischen Risiken für Geschäftsmodelle und ganze Sektoren. Das hat sich 2025 geändert. Denn auffällig war, dass der Ton der Regierung und der Behörden insgesamt konstruktiver geworden ist. Angesichts der fortdauernden Probleme am Immobilienmarkt hat gerade der Aktienmarkt für Regierung und Bevölkerung enorm an Bedeutung gewonnen – und das stärkt die Stellung der Investoren. Ein weiteres Argument für Investitionen in China ist die wachsende technologische Stärke der Region: Die Zahl der Patentanmeldungen in Asien liegt mittlerweile deutlich über der in Europa und Nordamerika und zeigt, dass dort ein eigenes Innovationsökosystem entstanden ist, das sich nicht mehr nur an westlichen Vorbildern orientiert, sondern eigene Impulse setzt. Wir sehen, dass China – wie die USA – zunehmend Unternehmen hervorbringt, die Plattformmodelle, Datenintelligenz und Skaleneffekte so kombinieren, dass sie zu echten globalen Herausforderern werden.
Auf der anderen Seite bleibt China ein Markt, der politisch stark gesteuert wird und dessen Währungspolitik weiterhin auf Exportunterstützung ausgerichtet ist. So wertete der Renminbi 2025 trotz der Schwäche des US-Dollars handelsgewichtet leicht ab. Dies zeigt die Entschlossenheit der Regierung, die Exportwirtschaft zulasten der heimischen Kaufkraft zunächst weiter zu stützen. Für uns bedeutet das: China ist nicht risikofrei, das gilt aber auch für andere Regionen. Und deshalb ist es auch kein Markt mehr, den man aus Skepsis ignorieren sollte.
Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Innovationen und das Prinzip der „schöpferischen Zerstörung“ nach Schumpeter weiterhin die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und Kapitalanlage bilden. Sie sind für einen großen Teil des Wirtschaftswachstums verantwortlich und schaffen damit Wohlstand.
Doch auch Innovation sollte man nicht zu jedem Preis kaufen. In einem Umfeld hoher Bewertungen und begrenzten Potenzialwachstums ist die Frage nach dem Einklang zwischen Bewertung und Gewinnwachstum berechtigt – gerade in der zweiten Jahreshälfte wurde dies offensichtlicher. Eine (KI)-Blase ist es jedoch erst, wenn der Markt völlig die Bodenhaftung verliert, und das ist aktuell nur teilweise der Fall. Dennoch gibt es gewisse Risiken. Umsichtige Investoren agieren daher vorsichtiger und nehmen frühzeitig etwas den Fuß vom Gas.